ORTSTERMIN : Kalte Schulter für den Überläufer

In der Biberacher CDU formiert sich Widerstand gegen den Wechsel des Ex-Grünen-Politikers Metzger

Roland Muschel[Biberach]

Franz Frick ist Oswald Metzger zuletzt am Samstag begegnet, auf dem Markt in ihrer Heimat Bad Schussenried. „Ich bin gespannt auf Ihre Entscheidung“, hat Frick dem 53-Jährigen zugerufen. Aber Metzger, Frühstücksbrötchen und frische Eier unterm Arm, hat auch ihm nichts verraten. Dabei ist Frick Chef der 75 CDU-Mitglieder in dem 8800-Einwohner-Städtchen und damit vielleicht künftig Metzgers Stadtverbandsvorsitzender.

Seit Dienstag weiß nun auch Druckereibesitzer Frick, dass der Ex-Grüne 2009 für die CDU im Wahlkreis Biberach in den Bundestag ziehen will. „Ich dachte nicht, dass er zur CDU geht“, sagt er. Schließlich habe ihn die FDP schwer umworben. „Er wird bei der CDU sehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen“, sagt Frick. Er selbst schätze Herrn Metzger sehr – „aber im Ortsverband gibt’s auch Leute, die gegen den Wechsel sind.“

Die gibt es überall im rund 2000 Mitglieder zählenden CDU-Kreisverband Biberach, nicht zuletzt bei einflussreichen Parteigrößen. So macht der Biberacher CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Romer, der 2009 aufhört, gegen seinen Möchtegern-Nachfolger Stimmung: „Ich räume ihm keine Chance ein, nominiert zu werden.“ Er sei sich nicht einmal sicher, ob der Kreisvorstand Metzgers Antrag auf Mitgliedschaft in der CDU befürworten könne, sagt der 66-Jährige.

Auch der 74-jährige Wilfried Steuer, als ehemaliger Biberacher Landrat und früherer Landtagsabgeordneter ein Urgestein der oberschwäbischen CDU, will eine Nominierung Metzgers verhindern: „Notfalls kandidiere ich selbst.“ Einer, der die CDU über lange Jahre bekämpft habe, solle sich erst in der Partei bewähren, bevor er Ansprüche stelle. Zurückhaltender äußert sich Josef Rief, der Chef des CDU-Kreisverbandes, ein 49-jähriger Landwirt, dem selbst Ambitionen auf die Bundestagskandidatur nachgesagt werden: Es sei „ungewöhnlich“, dass Metzger mit niemandem vorab über seine Pläne gesprochen habe. Über den Mitgliedsantrag werde voraussichtlich am 23. April entschieden. Nach dem Parteiengesetz dürfte der Kreisvorstand den Ex-Grünen ohne Angabe von Gründen ablehnen. Dagegen könnte Metzger Einspruch erheben, dann müsste der CDU-Landesvorstand entscheiden. Metzger bekäme so einmal mehr die gewünschte Öffentlichkeit – und Günther Oettingers CDU, die schwarz-grünen Gedankenspielen nicht abgeneigt ist, ein Problem.

Metzger hingegen sagt am Tag nach seinem Outing, dass es bislang ganz gut laufe. Er habe ja gewusst, dass man ihm „keinen roten Teppich ausrollen“ werde. Aber mit ihren Äußerungen würden Romer und Co. doch nur belegen, dass er nicht in Hinterzimmern um ein Mandat verhandelt habe. Dass der Kreisvorstand seinen Antrag ablehnt, glaubt er nicht. „Ich setze auf die CDU-Basis. Parteiestablishment und Parteibasis sind manchmal verschiedene paar Stiefel.“ Dietmar Lohmiller etwa, CDU-Mitglied und Bürgermeister der zum Wahlkreis gehörenden Gemeinde Aichstetten, kann sich vorstellen, für Metzgers Nominierung zu stimmen: „Er kann der CDU als politischer Kopf nur gut tun“, sagt der 48-Jährige.

Eugen Schlachter tippt darauf, dass Oswald Metzger seine neue Wunschpartei schlecht kennt. Der 50-Jährige sitzt für die Biberacher Grünen als Nachrücker von Oswald Metzger im Stuttgarter Landtag. „In der breiten Mitgliedschaft der CDU hat er sicher hohes Ansehen.“ Aber zum Kreisparteitag, der am 1. Juli Romers Nachfolger nominieren soll, gingen die Unternehmer, die Mittelständler und Anwälte, also die potenziellen Metzger-Wähler, „eher nicht hin“, glaubt der Banker. Die Funktionäre aber seien schlecht auf den einstigen Gegner zu sprechen – und gut vernetzt.

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