Ortstermin : Kanzlerin-Mum

Angela Merkels Mutter Herlind Kasner erhält den Preis "Vorbild für Weiterbildung" in der Saarländischen Landesvertretung. Bei der anschließenden Pressekonferenz gibt sie sich wenig redselig.

Kasner
Herlind Kasner. -Foto: ddp

Morgens, 10 Uhr 45 in Berlin. Am Brandenburger Tor brüllen Tausende Krankenhausmitarbeiter gegen die Pläne der Regierung an. Ihr Protest ist bis in die Saarländische Landesvertretung zu hören. Dort wird gleich Herlind Kasner als „Vorbild der Weiterbildung“ geehrt. Herlind Kasner ist die Mutter von Angela Merkel.

Fotografen, Kamerateams, Journalisten – es ist ordentlich Presse da. Nicht wegen der Bildung, sondern wegen der Kanzlerinmutter. Die bekommt man nicht alle Tage zu sehen, Interviews gibt sie nicht.

Herlind Kasner wird in der Kategorie „Dozentin aus Leidenschaft – Leben für die Weiterbildung“ geehrt. 80 Jahre alt ist sie, seit 34 Jahren unterrichtet sie und gibt immer noch dreimal die Woche Englischkurse an der Volkshochschule in Templin. Herlind Kasner ist aber nur eine von fünf Preisträgern. Da ist zum Beispiel Martha Ludwig, auch „Mama Martha“ genannt, eine schöne schwarze Frau, die in den 80ern aus Ghana nach Deutschland kam. Sie konnte nicht lesen, nicht schreiben. Vor zwei Jahren hat sie den Mut aufgebracht, das zu ändern und einen Alphabetisierungskurs besucht – erfolgreich.

Doch die Kameras sind auf die Plätze in der ersten Reihe rechts gerichtet. Da sitzt Herlind Kasner in ihrem braunen Hosenanzug auf einem braunen Lederstuhl, direkt neben Rita Süssmuth, die später die Laudatio halten wird. Als der Staatssekretär des Bildungsministeriums zu seiner Rede anhebt, hängt die Veranstaltung schon 45 Minuten hinter dem Zeitplan. Die Kollegin von Spiegel TV rutscht nervös auf ihrem Stuhl hin und her. „Wir haben einen Redaktionsschluss“, sagt sie etwas zu laut.

Es ist 12 Uhr 48, als Herlind Kasner die Bühne betritt, um ihre Auszeichnung entgegenzunehmen. „Herzlichen Dank“, sagt sie und verneigt sich. Sie spricht über den Spaß, den Lernen macht. Ein paar Sätze und ihr Auftritt ist vorbei. Aber es gibt ja noch die anschließende Pressekonferenz. Das RTL-Team will die nicht abwarten, fängt Herlind Kasner an der Treppe ab. „Wie ist es so, die Mutter der Kanzlerin zu sein?“, fragt die Reporterin. Herlind Kasner will nicht antworten. Schließlich soll es hier nicht um ihre Person gehen, sondern um die Sache. Die Reporterin lässt nicht locker. Da wird die ältere Dame deutlich. „Ich breche das jetzt ab. Ich bin sonst nicht unhöflich.“ Bei der Pressekonferenz, an der alle Preisträger teilnehmen, gehen die meisten Fragen an Herlind Kasner. „Meine Oma ist 81, könnte die bei Ihnen noch Englisch lernen?“. – „Ja, überraschen Sie sie doch mit einem Kurs.“ – „Haben sie daheim bei den Hausaufgaben geholfen?“ – „Das ist lange her.“ – „Sie waren mal für die SPD aktiv. Sind sie noch Mitglied?“ – „Nein“. Irgendwann wird es Herlind Kasner zu viel. „Das über mich ist doch nicht interessant. Mich würde interessieren, wie Frau Ludwig“ – sie zeigt auf Mama Martha – „hierher gekommen ist?“ Schweigen macht sich breit. Die RTL-Reporterin versucht es noch mal. „Sie sind eine öffentliche Person, da interessiert uns ihr familiäres Umfeld.“ Das Schweigen macht sich noch breiter. Dann ist die Pressekonferenz zu Ende. dro

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