ORTSTERMIN : Kuschelkurs

Ingrid Müller über die fast schon beängstigende Umarmungsstrategie des neuen amerikanischen Botschafters Philip Murphy.

Ingrid Müller
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Begeistert. Phil Murphy reist viel durchs Land, findet aber auch Berlin toll. Foto: dpadpa

Er ist freundlich, er ist wortgewandt, er hat nur die nettesten Komplimente für Deutschland – formvollendet und durchaus ein wenig selbstironisch tritt US-Botschafter Philip Murphy auf. Zwei Monate sind er, „meine Frau, unsere vier Kinder und unser Hund“ jetzt in Berlin. Sie sind schon durch die halbe Republik gereist, er will nicht den Eindruck entstehen lassen, er sei etwa ein Hauptstadtbotschafter. Auch wenn er von Berlin schwärmt, die Stadt sei „magic“. Kritiker hätten vielleicht die Nase zu nah an der Scheibe und sähen all die tollen Dinge von den Museen bis zu den neuen Gebäuden in der Mitte der Stadt und der Anziehungskraft nicht mehr so recht, merkte er am Mittwoch bei einem Gespräch mit Journalisten in Berlin an.

Doch auch sonst scheint seine Mission zu sein: Sag den Deutschen, dass wir sie lieben, umarme sie, auf dass sie uns wieder mögen. Wieder umarmen. Wieder alles mit uns zusammen machen? Mach das Beste daraus, dass sie Barack Obama mehr lieben als die Amerikaner. Fast wird einem unheimlich bei so viel Lob. In Klimafragen sind die Deutschen natürlich Klassenbeste. Der US-Präsident findet das Thema ungeheuer wichtig, versichert Murphy mit Blick auf den Weltklimagipfel in Kopenhagen im Dezember. „Ich bin sehr optimistisch“, sagt der Botschafter im Dreiteiler. Auch, dass die USA sich sehr anstrengten, aber es noch Entscheider außer dem Präsidenten gebe.

In Sachen Afghanistan entsteht der Eindruck, die Deutschen müssten rot werden, ob der tiefen Anerkennung des „sehr signifikanten, sehr zentralen“ militärischen, aber auch finanziellen und zivilen Engagements. Kein Wort kommt dem smarten Ex-Investmentbanker über die Lippen, welche Erwartungen die USA an die Deutschen haben oder, wann Obama, sein Freund, der Welt seine neue Strategie für die Region präsentieren will.

Kaum zu überbieten ist seine Sicht auf die USA-Reise der Kanzlerin Anfang November. Dort wird Angela Merkel als Erste in diesem Amt vor beiden Kammern des Kongresses sprechen. Murphy lässt es so erscheinen, als sei Amerika geehrt von Angela Merkels Besuch. Nicht umgekehrt. Er spricht von einem „real thrill“, auch er werde dafür anreisen. Über wirkliche Erwartungen an sie redet er natürlich nicht. Aber es schleicht sich ein Gefühl ein, dass es ein wenig beschämend wäre, hätte sie bei all dem Lob dann nicht ein besonderes Angebot im Gepäck. Schließlich sagt Murphy bei jeder Gelegenheit, wie zentral die Beziehungen seien, dass Deutschland und Amerika gemeinsam einen „größerern Fußabdruck“ hinterlassen könnten, bei quasi allen wichtigen Themen der Welt. Zum Wohle der Menschheit.

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