Ortstermin : „Rein privat“

Doch nicht nur die Linken: Welche Politiker sich zu Lafontaines 65. Geburtstag traute.

Cordula Eubel

Für Oskar Lafontaine ist es ein „Zeichen gewisser Zivilcourage“, dass einige frühere Weggefährten aus der SPD an diesem Abend den Weg in den Reichstag gefunden haben, um mit ihm seinen 65. Geburtstag zu feiern. Wie der SPD- Linke Ottmar Schreiner, der 2009 bei den Landtagswahlen im Saarland das „linke Zugpferd“ der SPD gegen Lafontaine sein soll, der allerdings an diesem Abend „rein privat“ gekommen ist. In seiner Rede vor den rund 250 Gästen witzelt Lafontaine, er wolle nur klar stellen, dass er mit Schreiner „noch keinerlei Absprachen über eine Regierungsbildung“ begonnen habe. Und Lafontaine fügt hinzu: Er fühle sich vielen aus seiner ehemaligen Partei, deren Vorsitzender er bis 1999 war, noch „besonders verbunden“.

Beim Empfang der Linken-Bundestagsfraktion für ihren Vorsitzenden Lafontaine sind vor allem Linken-Politiker aus Bund und Ländern gekommen. Aus den anderen Parteien trauten sich nur wenige, wie Antje Vollmer (Grüne) und Rainer Brüderle (FDP). Und der CDU-Politiker und frühere Verteidigungs-Staatssekretär Willy Wimmer, der sich – in Abweichung zur Unions-Linie – ebenso wie Lafontaine für den sofortigen Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan einsetzt. An diesem Abend will er aber in seiner kurzen Geburtstagsansprache lieber nicht zu viel Gemeinsamkeit mit Lafontaine demonstrieren. Mit seinem Jackett verdeckt Wimmer das „Linken- Schild“ am Rednerpult.

Dass Lafontaine die SPD verraten habe, durch seinen plötzlichen Rücktritt 1999, später durch seinen Parteiaustritt und die Gründung der Linken, bestreiten seine beiden Co-Vorsitzenden Gregor Gysi (Fraktion) und Lothar Bisky (Partei). Der Vorwurf des Verrats sei „aberwitzig“, sagt Gysi: „Im Kern bist du dir selbst treu geblieben.“ Auch Bisky bescheinigt Lafontaine, er habe keine Brüche in seiner Biographie, sondern „geradlinig eine brüchig gewordene SPD“ verlassen.

Was er in seinem politischen Leben noch erreichen will, lässt Lafontaine in seiner Rede bewusst offen. Was aus der SPD und der Linken werde, „darf man phantasieren“, sagt er. „Ich kann das nicht abschätzen.“

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