Oslo : Bono und Berlusconi auf der Kandidatenliste für Friedensnobelpreis

Am Vormittag verkündet das Nobelkomitee seine mit größter Spannung erwartete Entscheidung: den Träger des Friedensnobelpreises 2009. Einen klaren Favoriten gibt es nicht.

Oslo205 Kandidaten, darunter mehr als 30 Organisationen, sind für den Friedensnobelpreis 2009 nominiert – so viele wie nie zuvor. Am Freitagvormittag entscheidet sich, auf welche herausragende Persönlichkeit oder Organisation die Wahl des Nobelpreis-Komitees gefallen ist. Keiner der Nominierten gilt als Favorit.

Jedes Jahr werden neben zahlreichen weltberühmten und führenden Politikern auch viele international wenig bekannte Vorkämpfer für die Menschenrechte vorgeschlagen. Eingereicht werden die Vorschläge von ehemaligen Nobelpreisträgern, Parlamentsabgeordneten aus aller Welt sowie Universitätseinrichtungen.

Zu den Namen, die bereits in den vergangenen Jahren immer wieder genannt wurden, gehören der chinesische Regierungskritiker Hu Jia sowie die russische Anwältin Lidia Jussupowa. Die Ex-Geisel der kolumbianischen Farc-Rebellen, Ingrid Betancourt, gilt ebenfalls als mögliche Preisträgerin. Ebenfalls immer wieder ohne Erfolg auf der Vorschlagsliste: der irische Rockstar Bono. Nominiert wurde er wegen seines Engagements für einen Schuldenerlass für Entwicklungsländer.

Auch in diesem Jahr ist die Vorschlagsliste mit den Namen von Politikern gespickt. "Die namhaften Staats- und Regierungschefs werden eigentlich immer nominiert", sagen Beobachter. Unter anderem werden Nicolas Sarkozy und Barack Obama für die hohe Ehre empfohlen. Auch Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi wurde vorgeschlagen.

Ebenfalls auf der Vorschlagsliste findet sich Helmut Kohl – wegen seiner Verdienste um die friedliche Einigung Deutschlands und Europas. Die Chancen des 79-Jährigen werden als gering eingeschätzt. Sollte er die Auszeichnung aber tatsächlich erhalten, wäre er der zweite Preisträger aus Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. 1971 wurde der damalige Bundeskanzler Willy Brandt für seine Ostpolitik geehrt, eine Politik, die auf Entspannung und Verständigung zwischen Ost und West zielte.

Neben weltberühmten Namen finden sich auf der Liste Namen, die weniger oft auf den Titelseiten auftauchen. Sima Samar, die Vorsitzende der Menschenrechtskommission in Afghanistan, gehört dazu.

Im vergangenen Jahr ging der Friedensnobelpreis an den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari. Er wurde für seinen jahrzehntelangen Einsatz als Mittler und Makler bei internationalen Krisen, Konflikten und Kriegen ausgezeichnet. Unter anderem wirkte Ahtisaari als Friedensstifter in der indonesischen Provinz Aceh sowie bei der Staatswerdung Namibias. Weniger erfolgreich war der Finne als UN-Sondervermittler im Kosovo-Krieg vor zehn Jahren – was das Komitee wenig störte.

Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet knapp einer Million Euro (zehn Millionen schwedische Kronen) dotiert. Im Gegensatz zu den anderen Nobelpreisen wird dieser nicht in Stockholm vergeben, sondern in Oslo. Dies hatte Alfred Nobel, der Begründer der Nobelpreise, 1895 in seinem Testament bestimmt. Dort hatte er verfügt, dass mit seinem Vermögen Menschen geehrt werden sollen, "die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". 

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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