Politik : Ost-Timor: Der Sieg der Freiheitskämpfer gilt als sicher

Zwei Jahre nach dem Votum für die Loslösung von Indonesien und der nachfolgenden blutigen Welle der Gewalt wählt Ost-Timor an diesem Donnerstag erstmals eine Verfassungsgebende Versammlung. Mehr als 400 000 Menschen sind zur Wahl aufgerufen. Um die 88 Sitze bewerben sich nach Angaben der UN-Übergangsverwaltung insgesamt 16 Parteien. Beobachter rechnen mit einem deutlichen Sieg der Fretilin-Partei, des politischen Flügels der früheren Guerilla-Organisation Falintil des populären Unabhängigkeitsführers Jose Alexandre Gusmao, der in der Bevölkerung "Xanana" genannt wird.

Rund 2500 Polizisten der UN-Verwaltung sollen während der Wahl Zwischenfälle verhindern. Die in Ost-Timor stationierten Blauhelm-Soldaten sind in erhöhter Alarmbereitschaft. Die Abstimmung wird von rund 260 internationalen Wahlbeobachtern überwacht. UN-Verwaltungschef Sergio Vieira de Mello rechnet wegen des gewaltlosen Wahlkampfs mit Ausnahmen von gezielten Provokationen nicht mit Störungen, rief aber dennoch zu Wachsamkeit auf.

Aus der Verfassungsgebenden Versammlung soll später das erste Parlament Ost-Timors hervorgehen. Zudem bestimmt sie den Zeitpunkt der Präsidentenwahl, in der der 55-jährige Gusmao als aussichtsreichster Anwärter auf das Amt gilt. Er hat sich erst am Wochenende nach monatelangem Zögern zu einer Kandidatur bereit erklärt.

Die Bevölkerung Ost-Timors hatte sich am 30. August 1999 mit überwältigender Mehrheit in einem UN-Referendum für die Unabhängigkeit von Indonesien ausgesprochen. Indonesien hatte die Inselhälfte nach dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft 1975 erst besetzt und ein Jahr später annektiert. Nach dem Votum überzogen pro-indonesische Milizen die Inselhälfte mit einer Welle von Gewalt, bei der bis zu 7000 Menschen starben und hunderttausende vertrieben wurden. Ein Großteil der Infrastruktur wurde zerstört. Erst eine internationale Eingreiftruppe unter der Führung Australiens beendete das Morden und ebnete der UN-Übergangsverwaltung den Weg.

Die Vereinten Nationen und führende Politiker haben die Bewohner von Ost-Timor zu einer friedlichen Beteiligung an der Parlamentswahl aufgerufen. Der Rebellenführer Xanana Gusmao, Friedensnobelpreisträger José Ramos Horta und der UN-Verwalter de Mello flogen am Mittwoch in entlegene Dörfer, um die Unterstützer der verschiedenen Parteien zu ermutigen, auf Gewalt zu verzichten.

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