Politik : Ost und West - zusammengefeiert (Kommentar)

Rdh.

Mit dem Blick zurück hat es der Bundestag bei der Feier seines ersten Zusammentretens vor fünfzig Jahren wahrhaftig nicht übertrieben. Vermutlich zu Recht; mit der Bewegung, die ihn beim Abschied von Bonn überkam, hat er sein sentimentales Konto wohl ohnedies für einige Zeit erschöpft. Die Festveranstaltung gab also in erster Linie dem gelassenen Selbstbewusstsein Ausdruck, den Parlamentarismus in Deutschland etabliert zu haben. Die Anwesenheit von rund siebzig ausländischen Parlamentspräsidenten sowie die Ansprache der Präsidentin der Interparlamentarischen Union, der Vizepräsidentin des indischen Oberhauses, konnte man da gut als ein Gütesiegel begreifen - für den glücklichen Ausgang des ja eher belasteten Verhältnisses der Deutschen zu dieser Institution. Man konnte dessen nicht immer sicher sein; nun kann man es. Die aktuelle Verwerfungslinie zwischen den Verteidigern eines strikt repräsentativen Systems und den Befürwortern seiner plebiszitären Ergänzung wurde nur schwach sichtbar, aber sie wurde es. Schließlich war unverkennbar, dass die Laudatio auf den Bundestag von einem Ostdeutschen, Bundestagspräsident Thierse, gehalten wurde - wie übrigens schon beim 50jährigen des Bundesrates am Vortag, wo der Theologe Richard Schröder gesprochen hatte. Das war gut so: Die ostdeutschen Blicke auf beide Erfolgsgeschichten, die ja überwiegend westdeutsche sind, war ein Stück praktizierter Vereinigung.

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