Osthoff-Entführer : Bundesregierung sucht weiter Kontakt

Auch eine Woche nach der Entführung von Susanne Osthoff im Irak fehlt von der Deutschen jede Spur. Die Bundesregierung versucht weiter Kontakt zu den Kidnappern aufzunehmen.

Berlin. «Wir sehen das Schicksal der Entführten mit großer Sorge», sagte Außenamtssprecher Martin Jäger am Freitag in Berlin. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes habe sich am Vormittag erneut getroffen. Es gebe keine neuen Entwicklungen. Die Anstrengungen würden aber intensiv und umfassend fortgesetzt. Spekulationen über einen Zusammenhang mit einem in Deutschland verschwundenen irakischen Polizisten wies ein Sprecher des Bundesinnenminieriums zurück.

Der Iraker, Jahrgang 1973, nahm den Angaben zufolge im Rahmen eines EU-Programms an einem Fortbildungskurs für ranghohe Polizisten und Richter aus dem Irak in Deutschland teil und habe sich seit dem 28. November nicht mehr zurückgemeldet. Dies sei ein «schweres Fehlverhalten», das zur sofortigen Heimreise des Kursteilnehmers führen würde. Er gelte als vermisst und alle notwendigen Polizei-Maßnahmen seien eingeleitet worden. Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund gebe es aber nicht.

Die Mutter und die Schwester Susanne Osthoffs wandten sich unterdessen in einem Appell an die Geiselnehmer. «Seien sie barmherzig und gnädig mit meiner Tochter und lassen Sie sie und ihren Begleiter so schnell wie möglich wieder frei», sagte Osthoffs Mutter Ingrid Hala in einem auch im arabischen Fernsehen Al-Dschasira ausgestrahlten Videoband.

Die 43-jährige deutsche Archäologin war am vergangenen Freitag zu einer Überlandfahrt in der nördlichen Irak-Provinz Nineve aufgebrochen und mit ihrem irakischen Fahrer von Unbekannten verschleppt worden. Die Entführer fordern die Bundesregierung auf, die Zusammenarbeit mit dem Irak zu beenden.

Der irakische Botschafter in Berlin, Alaa Abdul Majeed Hussein Al-Hashimy, sagte im ARD-Morgenmagazin, in Bagdad werde intensive Arbeit von deutscher und irakischer Seite geleistet. Den Zeitpunkt der Entführung Osthoffs hält er nicht für einen Zufall. In zwei Wochen seien Wahlen im Irak. Ziel der Aufständischen könnte nach Meinung des Botschafters sein, die Wahlen zu stören und die Regierung zu diskreditieren. «Wir vermuten, dass es in den nächsten zwei Wochen viele Versuche von Terroristen geben wird, sich und der ganzen Welt zu beweisen, dass sie präsent sind.»

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland will sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für die Freilassung Osthoffs und ihrem irakischen Fahrer einsetzen. «Wir werden in Zusammenarbeit mit anderen islamischen Vereinen, nichtstaatlichen Organisationen und Kirchen überlegen, ob wir gemeinsam eine Demonstration organisieren sollten», sagte der Zentralratsvorsitzende Nadeem Elyas der «Berliner Zeitung». Seine Organisation habe der Regierung Hilfe angeboten. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar