Politik : Osttimors neuer Premier hofft auf Ruhe im Land

Jose Ramos-Horta will Vertrauen wiederherstellen und Flüchtlingen die Heimkehr ermöglichen

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta - Jose Ramos-Horta ist als neuer Ministerpräsident Osttimors vereidigt worden. „Regierungsprogramm ist, Vertrauen und Hoffnung wiederherzustellen“, sagte Horta in seiner ersten Rede als Premier. Flüchtlingen müsse die Heimkehr ermöglicht und beim Neuanfang geholfen werden. Der 56-Jährige gilt seit langem als „Stimme Osttimors“. In dem Land lebt derzeit ein Fünftel der Bevölkerung in Flüchtlingslagern. Etwa 150 000 Menschen hatten ihre Häuser im April und im Mai verlassen. Bei Unruhen starben zwei Dutzend Menschen, Hunderte von Häusern gingen in Flammen auf.

Die Inselhälfte nördlich von Australien war früher portugiesische Kolonie, Hortas Mutter stammt aus Osttimor, sein Vater aus Portugal. Als junger Mann war Horta Journalist, mit 25 wurde er Politiker. 1975, als Nachbar Indonesien einmarschierte und Osttimor annektierte, ging er ins Exil. Von dort setzte sich der eloquente Diplomat 25 Jahre lang für die Unabhängigkeit seines Landes ein, gewann dafür zusammen mit Bischof Carlos Belo den Friedensnobelpreis. Als die Besatzer drei Jahre später aus Osttimor abzogen, kehrte Horta in seine Heimat zurück und wurde mit der Staatsgründung 2002 Außenminister. Jüngst war er als Nachfolger von UN-Generalsekretär Kofi Annan im Gespräch.

Der neue Premier tritt sein Amt in schwieriger Zeit an. Im Frühjahr waren Osttimors Armee und Polizei in Fraktionen zerfallen, die sich vereinzelt bekämpften. Osttimor musste Ende Mai wegen der Unruhen 2 500 Soldaten und Polizisten aus dem Ausland zu Hilfe rufen. Zudem droht dem Land auf politischer Ebene Ärger mit der Justiz: Die Staatsanwaltschaft will untersuchen, welche Rolle der zurückgetretene Ex-Premier Mari Alkatiri beim Aufbau einer Miliz spielte. Dessen früherer Innenminister soll Zivilisten bewaffnet haben, um politische Gegner auszuschalten.

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