Oswald Metzger : Frühschoppen mit dem Überläufer

Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete und Medienstar Oswald Metzger will sich als Bundestagskandidat der CDU aufstellen lassen und wirbt dafür in Schwaben um Stimmen. Das wollen nicht nur vier Mitbewerber verhindern.

Roland Muschel

ÄpfingenOswald Metzger blickt in die Runde und holt tief Luft, bevor er zum Angriff bläst. "Es reicht nicht, Politiker aufzustellen, die auf jedem Käppeleskirbefescht sind, aber von deren Arbeit in Berlin man nichts hört." Er selbst habe in seiner Zeit im Bundestag "für Aufsehen gesorgt", sogar der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl habe ihn gelobt. Das Kompliment des CDU-Mannes habe ihm damals geschadet, sagt der Ex-Grüne. Nun, da er selbst für die CDU in den Bundestag will und ihm viele vorwerfen, nur der Karriere wegen Partei und Einstellung gewechselt zu haben, kommt ihm das Kohl-Lob gelegen. Er hat es dem Bewerbungsschreiben in der CDU-Mitgliederzeitschrift beigefügt. In Fettschrift.

Sonntag, kurz nach elf, die Zeit zwischen Kirchgang und Sonntagsbraten. In einem Nebenraum des Hotels Adler in Äpfingen, einer Ortschaft im Herzen Oberschwabens, hat Metzger zum Frühschoppen geladen. Neun Besucher, davon zwei CDU-Mitglieder, sind gekommen. Jede "Käppeleskirbe" - die Kirchweih - hätte mehr Zuspruch. Sie trinken Weizen oder Radler. Metzger trinkt Wasser, verteidigt die Rentenformel, wirbt für Sparsamkeit und für Politiker, "die's Maul aufmachen". Die CDU müsse sich fragen: "Wollen wir Ja-Sager oder Leute mit Sachverstand und einer gewissen Widerborstigkeit?" Am Ende sagt ein pensionierter Lehrer: "An meinem Stammtisch sagen alle: Die sollen den Metzger wählen. Aber da ist keiner in der CDU."

Metzger will Kandidat für den Bundestag werden

Seit Wochen tingelt Metzger durch kleine Gemeinden und CDU-Ortsverbände, vom Hotel Adler in Äpfingen bis zur Pizzeria Räuberhöhle in Schemmerhofen. Im Frühjahr ist der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete und Medienstar zur CDU gewechselt. Am Dienstag will sich der politische Konvertit zum Kandidaten seiner neuen Partei für die Bundestagswahl küren lassen. Das wollen nicht nur vier Mitbewerber verhindern. Da ist Josef Rief, CDU-Kreisvorsitzender, Landwirt, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbandes Biberach, die Verkörperung der ländlichen CDU Oberschwabens und für viele der Favorit. Da ist Peter Diesch, Bürgermeister von Bad Buchau, dem gerade bei der städtischen Klientel gute Chancen eingeräumt werden. Da ist Carmen Bogenrieder, freie Dozentin, ehemalige Vorsitzende der Frauenunion und mit dem ausgestattet, was der Schwabe eine "Schwertgosch" nennt. Da ist Christoph Burandt, zurzeit Hausmann, kirchlich engagiert.

Und da ist der Mann, den Metzger beerben will. Flughafen Stuttgart in einem Bistro in der Abflughalle. Franz Romer trinkt einen Kaffee, gleich geht sein Flug nach Berlin. Das Wochenende hat der 66-Jährige wie immer im Wahlkreis verbracht, bei Vereinsfesten, Versammlungen, Gremien. Seit 1990 sitzt er für die CDU Biberach im Bundestag, Arbeitnehmerflügel, hervorragende Wahlergebnisse, der richtige Mann für das Klein-Klein eines Wahlkreises. "Die CDU braucht keinen Abgeordneten Metzger", sagt Romer. Persönlich habe er nichts gegen "den Oswald". In den 80er Jahren war er der einzige Konservative im Kreistag, der sich freiwillig neben den Grünen Metzger gesetzt hat. Seither duzen sie sich. Aber dass Metzger im Kreistag "alles verhindert" und im Bundestag "gegen die CDU" Politik gemacht hat, hat Romer nicht vergessen. "Da geht es auch um Glaubwürdigkeit."

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben