Politik : Out in Erfurt

Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie wird von Parteifreunden demontiert

Matthias Schlegel

Berlin - Vor der Thüringen-Wahl galt Christoph Matschie als einer der raren Hoffnungsträger der Ost-SPD. Bundeskanzler Schröder hatte ihn auf einer verregneten Wahlkampfveranstaltung in Erfurt hochleben lassen, war mit ihm über den Rennsteig gewandert und hatte gar verschmerzt, dass der SPD-Spitzenkandidat nach der Landtagswahl seinen Job als Forschungsstaatssekretär in Berlin und sein Bundestagsmandat aufgeben wollte, um in Erfurt Fraktionschef zu werden.

Diese Ankündigung hat Matschie wahr gemacht – trotz einer schmählich verlorenen Wahl im Juni, als die SPD mit 14,5 Prozent das zweitschlechteste Landtagswahlergebnis seit 1945 einfuhr und die Alleinherrschaft der CDU nicht verhindern konnte. Zu Hause in Thüringen schlägt dem 43-jährigen Rotschopf nun wenig Sympathie entgegen. Hat er sich unmittelbar nach der Landtagswahl noch des Rückhaltes in der Partei versichern und den Absturz vor allem auf den Bundestrend schieben können, bröckelt seither die Unterstützung. Bei der Wahl zum Fraktionschef gaben ihm nur neun der 15 Abgeordneten ihre Stimme – obwohl ihm vorher alle ihre Zustimmung versprochen hatten. Die „Thüringer Allgemeine“ will nun acht SPD-Kreisvorsitzende ausgemacht haben, die Matschie aufgefordert hätten, auf dem Landesparteitag im Oktober nicht mehr als Landeschef zu kandidieren. Die Rede ist von „ Demontage“.

Matschie selbst spricht von einem „Sturm im Wasserglas“: Einige der in der Zeitung Genannten hätten ihm versichert, dass sie seinen Rückzug nicht gefordert hätten, sagte er dem Tagesspiegel. Gleichzeitig räumte er ein, dass es „einzelne Leute gibt, die mich nicht wollen“, darunter auch einige im Landesvorstand. „Aber damit kann ich umgehen.“ Und er bestätigte, dass es eine innerparteiliche Debatte über eine Doppelspitze gebe, bei der ihm nur das Amt des Fraktionschefs bliebe. Für die Parteispitze werden zwei Thüringer Landräte gehandelt. Matschie hält nichts von einer Gewaltenteilung: „In solch einer schwierigen Situation brauchen wir eine Konzentration der Kräfte.“ Er glaube nicht, dass auf dem Parteitag ein Gegenkandidat auftreten werde, und ist überzeugt, dass er „eine Mehrheit“ hinter sich habe.

Beobachter vermuten, dass im Hintergrund Vorstandsmitglied Richard Dewes die Fäden der Matschie-Gegner zieht. Der Ex-Innenminister war Matschies Vorgänger als SPD-Landeschef. Über das Verhältnis der SPD zur PDS sind sie heillos zerstritten. Dewes hatte vor der Wahl 1999 eine Koalition mit der PDS nicht ausgeschlossen. Die SPD war daraufhin von 26 auf 18 Prozent abgestürzt. Diesmal drehte Dewes den Spieß um: Weil Matschie eine Zusammenarbeit mit der PDS kategorisch abgelehnt habe, sei die SPD im Juni gescheitert. Diese Theorie hat etliche Befürworter. Der Gescholtene definiert indes sein Verhältnis zur PDS neu: Er habe nur ein Regierungsbündnis mit ihr ausgeschlossen, in der Opposition gebe es „selbstverständlich Zusammenarbeit“. In der Bildungspolitik etwa stimme man weitestgehend überein.

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