Politik : Oxford-Bayerisch in der Provinz

Stoiber rollt mit seinem Wahlkampfbus durch Bayern

Mirko Weber[Zwiesel]

Der Bus ist derselbe wie im Bundestagswahlkampf. Jetzt aber rollt er bis zum 21. September lediglich innerhalb der bayerischen Grenzen. Was nicht heißt, dass Edmund Stoiber nicht immer noch gerne über dieselben hinausdenkt.

Anzughose aus, Leinenhose an, grauer Pulli übers Hemd: Fertig ist der Wandersmann. Und jetzt ist Edmund Stoiber oben, zumindest auf „dem Höchsten im Bayerischen Wald“, strahlt und sagt: „Ein wunderschönes Stück Bayern.“ Zwar regnet es anhaltend, aber Wahlkampf ist Wahlkampf. Am Abend zuvor verhagelte es ihm anfangs ein wenig die Laune, als er im Mooshof in Zwiesel anlangt, um bei den Niederbayern an der tschechischen Grenze dem Volk den Puls zu fühlen. Stoiber braucht nur „EU-Osterweiterung“ zu sagen, schon grummelt’s. Wie fast immer wenn in Bayern Ärger im Anmarsch ist, fährt Stoiber dann argumentativ zweigleisig. Zum einen zeigt er dem Saal im gewohnten Oxford-Bayrisch auf, dass nicht jedes anstehende Problem (Zuwanderer, Pendler) gleich eine Katastrophe sein muss. Schließlich sei der Bayerische Wald demnächst keine Grenzregion mehr. Freilich hebt sich auch gleich sein Zeigefinger, um nach Berlin und Brüssel zu deuten, wo man vielleicht nicht immer wisse, was den Leuten auf einen Schlag alles zugemutet werden kann.

Stoibers Leben nach der verlorenen Bundestagswahl ist ein Leben im Spagat. Er hat das Land im Blick und will die Nation, ja die Welt dann doch nicht vergessen. In Zwiesel erzählt er wie nebenbei, dass ihn „der spanische Ministerpräsident, also José Maria Aznar“, im „Vier-Augen-Gespräch“ gefragt habe: „Leistet ihr euch nicht mehr, als ihr euch leisten könnt?“ Eine Frage, die Stoiber auf ein bevorzugtes Thema bringt: Deutschland – ein Armenhaus. Der Sanierungsfall Deutschland ist die düstere Folie, vor der sich zeigen lässt, dass es in Bayern heller ist.

Außer den paar Häppchen, die ihm die für den Landtag kandidierende Busunternehmerin Ulrike Scharf-Gerlspeck anrichtet, nimmt Stoiber kaum etwas zu sich. Schon gar nicht muss einer springen, um ihm mal ein Bier zu holen. Kurz vor Mitternacht wäre prinzipiell Ruhe im Zwieseler Hotel „Zur Waldbahn“, aber da sind noch die Akten aus der Staatskanzlei – und Stoiber packt sie alle. In den USA, rechnet er in der Kneipe vor, schaffen sie im Durchschnitt 2900 Stunden im Jahr, bei uns 1500. Es soll nur ein Vergleich sein. „Ich will das ja nicht unbedingt hier haben“, sagt Stoiber. Richtig dagegen wäre er aber nicht.

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