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Pädophilie bei den Grünen : Grüne richten Beirat für Opfer sexuellen Missbrauchs ein

Die Grünen arbeiten ihre Geschichte weiter auf: Opfer sexuellen Missbrauchs durch Parteimitglieder können sich an einen neu geschaffenen Anhörungsbeirat wenden. Hier sollen Betroffene vertraulich Gehör finden können.

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Grünen-Chefin Simone Peter leitet die Aufarbeitungs-Kommission der Partei
Grünen-Chefin Simone Peter leitet die Aufarbeitungs-Kommission der ParteiFoto: dpa

Die Grünen haben einen Anhörungsbeirat eingerichtet, in dem Opfer sexuellen Missbrauchs Gehör finden sollen. Dem Beirat, der sich Anfang der Woche konstituiert hat, gehören die Berliner Rechtsanwältin Christina Clemm, die frühere schleswig-holsteinische Justizministerin Anne Lütkes und der ehemalige Berliner Justizsenator Wolfgang Wieland an.

Die Einrichtung eines solchen Beirats hatten die Grünen bereits Mitte Mai beschlossen, kurz bevor der Berliner Landesverband seinen Pädophilie-Bericht veröffentlichte.

Betroffene, die sich an die telefonische Anlaufstelle der Bundespartei gewandt haben, sollen dort ihre Anliegen vorbringen können. „Der Beirat sichert den Betroffenen absolute Vertraulichkeit zu. Die Entscheidung, welchen Teil ihrer Geschichte sie öffentlich machen wollen, bleibt in der Hand der Betroffenen“, sagte die Grünen-Vorsitzende Simone Peter dem Tagesspiegel.

Der frühere Berliner Justizsenator Wieland gehört dem Beirat an

Clemm vertritt als Anwältin seit vielen Jahren Kinder und Erwachsene, die Opfer von Misshandlungen oder sexuellem Missbrauch geworden sind. Die Grünen-Politikerin Lütkes ist seit 2010 Regierungspräsidentin im Regierungsbezirk Düsseldorf, sie ist darüber hinaus Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerks. Der frühere Berliner Justizsenator Wieland saß von 2005 bis 2013 für die Grünen im Bundestag.

Nach Prüfung jedes Einzelfalls soll der Beirat dem Bundesvorstand empfehlen, ob und wie die Partei Verantwortung übernehmen soll. Das kann von der Anerkennung erlittenen Unrechts bis zur konkreten finanziellen Unterstützung in besonderen Härtefällen reichen. „Wir wollen, dass die Taten aufgeklärt werden und dass das Leid der Betroffenen Anerkennung findet“, sagte Parteichefin Peter.


Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung hat die Grünen beraten

Das neue Gremium ist Teil der Aufarbeitung der Pädophilie-Debatte, die in den achtziger Jahren bei den Grünen geführt worden war. „Wir setzen damit den Weg der Aufarbeitung unserer Parteigeschichte zusammen mit unseren Landesverbänden konsequent fort“, sagte Peter.

Die Grünen hatten im Wahljahr 2013 den Politikwissenschaftler Franz Walter beauftragt, den Einfluss pädophiler Strömungen auf die Partei in ihren Gründungsjahren zu untersuchen. Nach der Bundestagswahl hatten sie außerdem eine eigene Aufarbeitungs-Kommission unter Leitung von Parteichefin Peter eingerichtet. Diese hat sich auch vom Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für sexuellen Kindesmissbrauch beraten lassen. Im August 2014 hatten die Grünen eine telefonische Anlaufstelle eingerichtet, an die Missbrauchsopfer sich wenden können.

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