Pädophilie-Vorwürfe : Grüne lassen früheren Einfluss von Pädophilen untersuchen

Die Grünen wollen sich ihrer Vergangenheit stellen und den Einfluss von Pädophilen-Gruppen auf ihre Partei wissenschaftlich untersuchen lassen. Fraktionschef Trittin räumte ein, dass es seinerzeit "Fehlbeschlüsse" zum Thema Pädophilie gegeben habe.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat Jürgen Trittin.
Der Grünen-Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat Jürgen Trittin.Foto: dpa

Die Grünen lassen den Einfluss von Pädophilen-Gruppen auf ihre Partei in den 1980er Jahren wissenschaftlich untersuchen. Der Bundesvorstand beschloss nach Angaben von Spitzenkandidat und Fraktionschef Jürgen Trittin am Montag , einen unabhängigen Parteienforscher erarbeiten zu lassen, wie lange und in welchem Umfang solche Gruppierungen damals in der Partei hätten wirken können. Sie hätten damals die „völlig inakzeptable Forderung“ nach Straffreiheit für Sexualität mit Kindern erhoben, sagte Trittin.

Welches Institut und welcher Parteienforscher mit der Untersuchung beauftragt werden soll, steht nach Trittins Angaben noch nicht fest. Zuvor hatte das Hamburger Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet, die Grünen hätten sich seinerzeit stärker für die Interessen von Pädophilen eingesetzt als bisher bekannt. So sei die sogenannte Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle, die sich offen für eine Legalisierung von Sex mit Kindern aussprach, direkt von der Bundespartei und der Bundestagsfraktion finanziert worden.

Trittin räumte ein, dass es bei den Grünen seinerzeit „Fehlbeschlüsse“ zum Thema Pädophilie gegeben habe. Er verwies auf die Entscheidung eines NRW-Landesparteitages von 1985, auf dem sich die Delegierten für Straffreiheit von Sexualität mit Kindern ausgesprochen hatten. Dieser Beschluss habe dazu geführt, dass die Grünen bei der damaligen Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten.

Der Politik- und Kulturwissenschaftler Lothar Probst hielt den Grünen vor, sich sehr spät diesem Thema zu stellen. Nun sei der mediale Druck so groß, dass dem Vorstand keine Alternative geblieben und eine Studie in Auftrag gegeben worden sei, sagte er dem Sender MDR Info. Die Vorgänge bei den NRW-Grünen von 1985 müssen nach Ansicht von Probst im historischen Kontext gesehen werden. „Ich glaube, das ist ein Beispiel dafür, dass im Windschatten der Enttabuisierung Pädophile ein Forum und Verständnis bei den Grünen gefunden haben.“ Das sei nur zu erklären „aus diesem Zeitgeist heraus“, der sexuelle Befreiung in den Mittelpunkt gestellt habe.

Probst, der auch Mitglied im Beirat der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung ist, sieht besonders den Europaabgeordneten Daniel Cohn-Bendit in der Pflicht. „Als Ikone der grünen Bewegung hat er in dieser Sache bisher nicht die beste Figur gemacht. Da ist doch eine starke Abwehrhaltung zu beobachten.“ Durch die Diskussion über Äußerungen Cohn-Bendits in den 1970er Jahren war die Pädophilen-Debatte bei den Grünen in Gang gekommen.
Damals hatte dieser erotische Spiele mit Kindern beschrieben.

Cohn-Bendit distanzierte sich inzwischen von diesen Äußerungen. Er sagte dem „Spiegel“ aber auch, die Forderung nach Straffreiheit für Pädophile sei seinerzeit keineswegs eine Minderheitenposition bei den Grünen gewesen. (AFP)

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