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Paketbomben : Lufthansa: Staat müsste schärfere Kontrollen zahlen

Die Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo hält schärfere Kontrollen für unrealistisch. Für die Kosten müsse der Staat aufkommen. Unterdessen ist nach dem Bombenfund im Kanzleramt in Athen eine weitere Paketbombe gefunden worden.

Lufthansa Cargo, Europas führende Frachtfluggesellschaft, hat Forderungen nach schärferen Kontrollen von Luftfracht zurückgewiesen. „Ich halte nichts von Aktionismus“, sagte Finanzvorstand Peter Gerber dem Tagesspiegel. Er verwies auf das 2006 beschlossene Transportverbot größerer Flüssigkeitsmengen im Handgepäck, das sich als „großer Unfug“ erwiesen habe. Logistikunternehmen müssten zwar versuchen, Sicherheitslücken zu identifizieren. „Es gibt aber keine lückenlosen Systeme.“

Jedes einzelne Frachtstück zu röntgen, halte er für unrealistisch. „Wer zahlt das alles?“, fragte Gerber. Mit Sicherheit sei das Aufgabe des Staates. „Auch im Zug oder im Fußballstadion käme niemand auf die Idee zu sagen, das müssen die Bahn oder der FC Bayern zahlen.“

Paketbombe an französische Botschaft addressiert

Die griechische Polizei hat unterdessen am Donnerstag eine weitere Paketbombe entdeckt, die an die französische Botschaft in Athen adressiert war. Pyrotechniker machten das Päckchen mit einer kontrollierten Explosion unschädlich, wie das griechische Fernsehen berichtete. Die Täter hatten als Absender das Erzbistum Athen angegeben.

Damit konnten die Behörden inzwischen insgesamt 14 explosive Sendungen sicherstellen - zwölf davon in Athen, eine in Bologna und eine weitere in der Poststelle des Bundeskanzleramtes in Berlin. Mindestens drei weitere verdächtige Pakete wurden inzwischen bei einer Kurierfirma in Athens Vorstadt Markopoulo entdeckt. Sprengstoffexperten begannen umgehend mit der Untersuchung.

Verdächtiges Paket am Kanzleramt entdeckt
In Athen nahm die Polizei zwei verdächtige Männer fest. Foto: Simela Pantzartzi/dpaWeitere Bilder anzeigen
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02.11.2010 16:26In Athen nahm die Polizei zwei verdächtige Männer fest. Foto: Simela Pantzartzi/dpa

Die beiden Tatverdächtigen, die am Montag im Zentrum von Athen festgenommen worden waren, kamen unterdessen in Untersuchungshaft. Vor dem Untersuchungsrichter und dem Staatsanwalt gaben sie an, sie würden das Verfahren nicht anerkennen. Die Männer im Alter von 22 und 24 Jahren hatten bei ihrer Festnahme zwei Paketbomben bei sich gehabt, die an die belgische Botschaft in Athen und an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressiert waren.

Sicherheitskräfte fahnden nach linksextremistischer Untergrundorganisation

Die Fahndung nach weiteren Drahtziehern der Briefbombenserie läuft weiterhin auf Hochtouren. Wie der griechische Rundfunk unter Berufung auf die Polizei berichtete, wurden in den vergangenen zwei Tagen mehrere Wohnungen durchsucht - allerdings ohne Ergebnis. Polizisten gingen mit den Fotos von fünf Verdächtigen in bestimmten Stadtteilen von Athen von Tür zu Tür und befragten die Einwohner.

Die Sicherheitskräfte suchen nach Verstecken der linksextremistischen Untergrundorganisation „Verschwörung der Zellen vom Feuer“. Die beiden festgenommenen mutmaßlichen Täter hatten vier Wohnungsschlüssel bei sich. Die Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die Schlüssel zu Unterschlüpfen der Gruppe führen, in denen auch die Briefbomben gebaut worden sein könnten.

Die griechische Polizei informierte am Donnerstag auch Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA). Am Dienstag war in der Poststelle des Kanzleramts in Berlin eine Paketbombe aus Griechenland, die an Bundeskanzlerin Angela Merkel adressiert war, entdeckt und entschärft worden. Ein bislang unbekannter junger Mann hatte das Päckchen mit dem Sprengsatz am 1. November in der Nähe des Athener Hauptbahnhofs aufgegeben. (TSP/dpa)

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