Pakistan : Alte Feinde

Ex-Premier Sharif will heute nach Pakistan zurück – sehr zum Ärger von Präsident Musharraf. Sogar Saudi-Arabien bittet Sharif, im Exil zu bleiben.

Ruth Ciesinger
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Pakistans Ex-Premier Nawaz Sharif -Foto: AFP

BerlinEr will zurück, und niemand soll ihn abhalten: Läuft alles so, wie es sich Ex-Premier Nawaz Sharif vorstellt, wird er an diesem Montag zusammen mit seinem Bruder Shabaz zum ersten Mal seit Jahren wieder pakistanischen Boden betreten. Um elf Uhr mittags werde die Maschine, voll mit Anhängern der Sharifs, auf dem Flughafen von Islamabad landen, sagte der Sprecher des seit sieben Jahren im Exil lebenden Nawaz dem Sender Geo TV. Dann will der Ex-Premier im Autokorso von Islamabad aus in seine Heimatstadt Lahore fahren, hunderte Kilometer entfernt, und sich dabei von seinen Anhängern feiern lassen. Eine gezielte Demütigung für Präsident Pervez Musharraf, von der aber nicht klar ist, ob sie stattfinden wird: Für Shabaz Sharif erließ ein Gericht am Freitag einen Haftbefehl wegen Anstiftung zum Mord, nach Polizeiangaben wurden bisher 150 Anhänger Sharifs präventiv verhaftet, um sie vom Demonstrieren abzuhalten. Seine Partei, die PML-N, spricht von 2000.

Der Zeitpunkt der Rückkehr Sharifs passt der Regierung Musharraf überhaupt nicht. Die Stimmung in Pakistan ist in den vergangenen Monaten zu Ungunsten des Präsidenten gekippt, der Sharif 1999 höchstpersönlich aus dem Amt geputscht hatte. Damals unterstützte eine Mehrheit der Pakistaner den Coup, denn der Zivilist Sharif regierte sehr viel restriktiver, als es der Militärherrscher Musharraf bis heute tut. Das aber ist etwas in Vergessenheit geraten.

Nun soll voraussichtlich am 8. Oktober der Präsident neu gewählt werden, Anfang kommenden Jahres, heißt es, ein neues Parlament. Musharraf bliebe gerne an der Macht und mit ihm das aktuelle Kabinett – das stört eine starke Opposition. Doch einerseits hat im August das Oberste Gericht Pakistans die Rückkehr Sharifs für rechtens erklärt. Andererseits drängt Washington seinen Verbündeten im Antiterrorkampf, demokratischer zu werden. Die USA favorisieren eine Koalition aus Musharraf und der früheren Regierungschefin Benazir Bhutto, ebenfalls noch im Exil. Dieses Bündnis ist aber offenbar noch nicht beschlossene Sache, Bhuttos und Musharrafs Gefolgsleute streuen seit Monaten widersprüchliche Gerüchte. Sollte Sharif jedoch zurückkehren, wird Bhutto wohl ebenfalls nicht länger im Exil bleiben.

Noch am Wochenende hat Musharrafs Regierung aber alle Register gezogen, um genau das zu verhindern. Der saudische Geheimdienstchef Prinz Muqrin bin Abdul Asis überbrachte eine Botschaft von König Abdullah und forderte Sharif auf, wie vor sieben Jahren in einem geheimen Abkommen vereinbart, im Exil zu bleiben. Saad Hariri, Sohn des ermordeten früheren libanesischen Premiers Rafik Hariri, der damals vermittelt hatte, versuchte, erst Sharif in London zum Umdenken zu bewegen, und reiste dann zu Musharraf nach Islamabad. Sharif war im Jahr 2000 wegen Korruption zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er konnte aber nach Saudi-Arabien ausreisen, nachdem er ein Abkommen unterzeichnet hatte, zehn Jahre lang nicht in die Heimat zurückzukehren. Sharif sagt nun, Hariri habe ihm versprochen, bereits nach fünf Jahren zurückkommen zu können.

Pakistanische Zeitungen spekulierten am Wochenende, ob nun die Brüder Sharif verhaftet würden und Nawaz sofort wieder außer Landes gebracht – oder erst einmal nichts geschehen werde. In jedem Fall, so der Tenor, sollte Musharraf sich gegenüber Sharif zurückhalten – weil er damit nur dessen Popularität stärken und die Massen weiter gegen sich aufbringen würde. Es sei zu hoffen, so ein Kommentar, dass der Präsident nicht denselben Fehler mache wie im März mit der Entlassung des ihm unangenehmen Obersten Richters Ifthikar Chaudhry. Damals hatte Musharraf die Proteste total unterschätzt, zuletzt setzte das Oberste Gericht Chaudhry wieder ins Amt ein. Jetzt war es Chaudhrys Urteil, das es Sharif gestattet, nach Pakistan zurückzukehren.

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