Pakistan : Anschlag in Lahore: Mitten ins Herz

Der neue Anschlag in Lahore trägt den Terror in Pakistan endgültig in bürgerliche Wohngebiete

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Trauer nach dem Anschlag. Eine Frau sucht verzweifelt nach ihrem Sohn, der womöglich bei einem Selbstmordanschlag in Lahore ums...X00228

Terror und kein Ende: Wieder hat der südasiatische Atomstaat Pakistan einen blutigen Freitag erlebt. Ziel war erneut Lahore, die zweitgrößte Stadt des Landes an der Grenze zu Indien. Die Menschen strömten gerade zum Freitagsgebet, als sich zwei Selbstmordattentäter im Abstand von 15 bis 20 Sekunden in die Luft sprengten, mitten in einem Wohn- und Geschäftsviertel, in dem auch Büros von Militär und Terrorfahndern liegen. Mindestens 45 Menschen starben. Über 130 Menschen wurden verletzt, einige schweben in Lebensgefahr. Es war das zweite Blutbad in Lahore in dieser Woche.

Die Täter seien auf Motorrädern gefahren und hätten ihre Fahrzeuge in einen Militärkonvoi gerammt, der durch die Menge fuhr, sagte der Justizminister der Provinz Punjab, Rana Sanaullah. Dagegen sagte Polizeipräsident Tariq Saleem Dogar, die Täter seien zu Fuß gekommen. Man habe die Köpfe der beiden Bomber. Ihr Ziel waren Armeefahrzeuge, sagte Polizeisprecher Chaudhry Mohammad Shafiq. Tatort war ein dicht besiedeltes Wohn- und Geschäftsgebiet Lahores, das als bürgerliches und kulturelles Herz Pakistans gilt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat

Der Anschlag schockte die Menschen. Damit dringt der Terror immer mehr in die bisher noch als sicher geltenden Wohngebiete ein. Nach einer Serie von Anschlägen hatten einige Sicherheitsdienste ihre Büros in Wohnviertel verlegt. Erst am Montag waren bei einer Attacke auf ein Gebäude von Pakistans Anti- Terror-Einheit 13 Menschen getötet worden. Auch dieser Anschlag ereignete sich einem Wohnviertel. Die Acht-Millionen-Metropole Lahore ist die Hauptstadt der Provinz Punjab und galt bisher als die sicherste Stadt des von Terror gebeutelten Landes.

Den Anschlag am Montag hatten die Taliban für sich reklamiert. Sie hatten gedroht, bis zu 3000 Selbstmordattentäter auf Pakistan loszulassen, wenn das Militär nicht seine Militäroffensive und die USA ihre Drohnenschläge einstellten. Pakistans Armee rückt seit Herbst in Süd- Wasiristan gegen die Rebellen vor. Das Netzwerk der Militanten ist nicht substanziell beschädigt und sie können weiterhin zuschlagen, sagte der Analyst Khadim Hussain.

Ein möglicher Grund für die blutige Terrorwelle könnte der immer noch unbestätigte Tod von Taliban-Führer Hakimullah Mehsud sein, der Anfang dieses Jahres bei einem US-Drohnenanschlag ums Leben gekommen sein soll. Auch Qari Zafar, ein Führer der sogenannten PunjabiTaliban, war jüngst bei einem Drohnenanschlag der USA im Nordwesten des Landes getötet worden. Die Hochburg der Taliban sind eigentlich die Grenzprovinzen zu Afghanistan. Beobachter warnen allerdings, dass sich auch in der Provinz Punjab, dem Machtzentrum des Landes, Extremisten breitmachen.

Einige Medien spekulierten, dass die Anschläge Racheakte für die Festnahme von afghanischen Talibanführern sein könnten. Dies scheint aber eher unwahrscheinlich. Die Geheimdienste hatten eine Reihe afghanischer Talibanführer festgenommen, die sich in Pakistan versteckt hielten. Vielmehr werden für die Verhaftungswelle eher politische Hintergründe vermutet. Bei den Festgenommen handelt es sich um eher moderate, verhandlungsbereite Taliban-Führer, wie den Militärkommandeur Mullah Abdul Ghani Baradar. Er hatte für Taliban-Führer Mullah Omar geheime Gespräche mit der afghanischen Regierung geführt. Man glaubt, dass es Pakistan nicht passte, bei den Gesprächen außen vor zu bleiben. Man habe Baradar festgenommen, um bei einer möglichen Lösung in Afghanistan mitzureden.

Unterdessen sind in Karachi nach Angaben der Polizei drei sunnitische Geistliche auf offener Straße erschossen worden. „Es war ein gezielter Angriff, der einen religiösen Hintergrund haben könnte“, sagte der örtliche Polizeichef.

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