Pakistan : Armee beendet Geiselnahme

Die von den radikal-islamischen Taliban entführten Studenten und Dozenten einer Militärschule sind offenbar wieder frei

Bis auf eine Geisel seien in einer Militäroperation alle befreit worden, sagte Armeesprecher Generalmajor Athar Abbas.

Die Taliban hatten die Schüler und ihre Lehrer gestern im Nordwesten Pakistans entführt. Die Gruppe war in Kleinbussen auf dem Weg in die Sommerferien. Die Schüler berichteten, jeweils ein Taliban sei mit einer Handgranate bewaffnet in jeden Minibus gestiegen und mit dem Bus weggefahren. Einer der Fahrer habe dem Angriff der Islamisten entkommen und die Behörden alarmieren können, sagte ein Militärsprecher.

Über das Ausmaß der Geiselnahme gab es widersprüchliche Angaben. Zunächst meldeten die Behörden, dass bis zu 400 Menschen gekidnappt worden seien. Auch pakistanische Medien berichteten von Hunderten Geiseln. Der Deutschen Presse-Agentur dpa zufolge befaden sich dagegen lediglich 15 entführten Schülern und sechs Lehrer in der Gewalt der Islamisten.

Pakistans Armee geht seit Wochen gegen Stellungen der Taliban im Nordwesten des Landes vor. Am Wochenende hatte die Regierung erklärt, die Kämpfe gegen die Aufständischen in der Region des Swat-Tals könnten noch in dieser Woche beendet werden. Die Entführung ereignete sich jedoch in Nord-Waziristan, einem Gebiet, in dem die Regierungstruppen bisher noch keine Offensive gegen die Aufständischen gestartet haben.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zeigte sich unterdessen beunruhigt von der "schrecklichen" humanitären Lage im Kriegsgebiet. Für die Menschen, die im Swat-Tal geblieben seien, gebe es weder fließend Wasser, genügend Nahrung noch elektrischen Strom, hieß es in Erklärung. Zuvor war es einem IKRK-Team erstmals seit Wochen wieder gelungen, in das Gebiet zu reisen.

"Es ist kein Treibstoff für Generatoren mehr vorhanden und die meisten medizinischen Einrichtungen in dem Gebiet arbeiten nicht mehr", erklärte Daniel O'Malley, der das IKRK-Team geleitet hatte. Es fehle am Nötigsten.

Das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen konnten seit Anfang Mai nicht mehr in den umkämpften Teilen des Swat-Tals arbeiten. Seit Beginn der Offensive sind fast 2,5 Millionen Menschen aus der Region geflohen. Laut Militärangaben begannen inzwischen Soldaten damit, in mehreren Regionen des Distrikts die Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Vor allem in Mingora, dem Hauptort des Swat-Tals,  kehre in "schnellem Tempo" wieder Normalität ein, hieß es. Die Armee hatte die Stadt vor wenigen Tagen von den Taliban zurückerobert. Von den einstmals etwa 300.000 Einwohnern hatten nur etwa 20.000 während der Kämpfe ausgeharrt. (rf/dpa/Reuters)

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