Pakistan : Bhutto bändelt mit ihrem Rivalen an

Die Politikerin versucht, die Opposition in Pakistan zu einen – sie setzt dabei auch auf Ex-Premier Sharif. Laut einer Umfrage ist er der beliebteste Politiker.

Christine Möllhoff[Lahore]

Der Anruf kam aus Lahore, und an der Leitung war Benazir Bhutto. Unter Hausarrest stehend, suchte die Chefin von Pakistans größter Oppositionspartei PPP nun den Kontakt zu ihrem Rivalen Nawaz Sharif. Nach langen Zögern will die 54-Jährige jetzt offenbar die zerstrittene Opposition einen und ein Bündnis gegen Militärherrscher Pervez Musharraf schmieden. Damit könnte auch Ex-Premier Sharif ins Spiel zurückkehren – er sei bereit, mit Bhutto zusammenzuarbeiten, sagte er am Mittwoch.

Bisher musste er die Krise weitgehend machtlos mitverfolgen aus dem Zwangsexil in Saudi-Arabien, in das ihn Musharraf verfrachtet hat. Auch andere Oppositionspolitiker erhielten Anrufe von Bhutto. Am Dienstag hatte die zweimalige Regierungschefin den von den USA orchestrierten Machtpakt mit Musharraf aufgekündigt und war erstmals auf Gegenkurs zum General gegangen. Wenn sie es ernst meint, kommt es zum Duell. Bisher hatte Bhutto Musharraf auffällig geschont. Umgekehrt hatte der General die PPP-Chefin und ihre Anhänger mit Samthandschuhen angefasst. Doch nun sind die Töne scharf. Bhutto sei eine „schwierige“ Person, klagte Musharraf. Und Bhutto titulierte ihn als „Diktator“, eine Anrede, die Musharraf tief verletzt.

„Adieu Machtteilung“, schrieb die Zeitung „The Nation“. Unklar blieben aber die Gründe für den Bruch. Möglicherweise hat Bhutto erkannt, dass sie sich mit ihrem Schmusekurs gegenüber Musharraf zu viele Sympathien verscherzt. Laut einer Umfrage hat Sharif sie weit überflügelt. Für 36 Prozent ist er der beliebteste Politiker, Bhutto nur für 28 Prozent. Skeptiker mutmaßen aber weiter, dass es sich um einen Schaukampf handelt, um Bhuttos angekratztes Image aufzupolieren – und dass sie am Ende doch noch an der Seite eines Präsidenten Musharraf Regierungschefin wird.

Die USA zeigen sich alarmiert. Sie fürchten, dass das Machtkampf in Pakistan der Kontrolle entgleitet. Noch am Freitag will US-Krisenmanager John Negroponte nach Islamabad eilen, um zu retten, was zu retten ist. Er hatte bereits in den vergangenen Monaten am Machtdeal zwischen Bhutto und Musharraf mitgestrickt. Berichten zufolge will Musharraf zudem in Kürze nach Saudi-Arabien zu Gesprächen mit König Abdullah fahren. Es geht um Sharifs Zukunft. Angeblich will das saudische Königshaus Sharif nicht länger im Zwangsexil festhalten und ausreisen lassen. Das will Musharraf offenbar mit allen Mitteln verhindern. Die beiden Männer gelten als Erzfeinde, seit Musharraf den damaligen Premier 1999 in einem unblutigen Putsch entmachtete.

Im September hatte Sharif versucht, aus dem Exil in die Heimat zurückzukehren. Musharraf hatte den Chef der Muslim-Liga allerdings umgehend wieder außer Landes nach Saudi-Arabien befördern lassen. Unterdessen wurde am Mittwoch einer der prominentesten Oppositionspolitiker Pakistans festgesetzt: Imran Khan. Der ehemalige Kricketstar, der seit anderthalb Wochen auf der Flucht war, wurde in Lahore bei einer Kundgebung festgenommen.

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