Pakistan : Bhutto: "Ich weiß genau, wer mich umbringen wollte"

Mindestens 130 Tote, 400 schwer Verletzte: Der Anschlag auf Ex-Regierungschefin Bhutto ist der blutigste in der Geschichte Pakistans. Während die Polizei noch ermittelt, will Bhutto selbst genau wissen, wer es auf ihr Leben abgesehen hat.

Bhutto
Knapp dem Anschlag entgangen: Benazir Bhutto. -Foto: AFP

KarachiNach dem schwersten Anschlag in der Geschichte Pakistans mit mehr als 130 Toten hat die aus dem Exil zurückgekehrte frühere Regierungschefin Benazir Bhutto Anhänger von Ex-Militärmachthaber Mohammed Zia ul Haq verantwortlich gemacht. "Ich weiß genau, wer mich umbringen wollte", sagte die 54-Jährige in einem Interview mit dem Magazin "Paris-Match". Bhutto blieb unverletzt und hielt an ihren politischen Plänen fest. Der Ort des Anschlags in der Stadt Karachi bot ein Bild des Grauens. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sagte, es sei wie der "Gang durch einen Schlachthof". Der Anschlag wurde international verurteilt.
  
Die Anhänger Zias stünden noch heute hinter "Extremismus und Fanatismus", sagte Bhutto "Paris-Match". Zia hatte Bhuttos Vater, Regierungschef Zulfikar Ali Bhutto, 1977 gestürzt und ihn zwei Jahre später hängen lassen. Zia selbst starb 1988 bei einem Flugzeugabsturz. Bhuttos Ehemann Asif Ali Zardari machte den pakistanischen Geheimdienst für das Attentat verantwortlich. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Allerdings hatten Vertreter des Terrornetzwerks Al Qaida und der Taliban Bhutto mit einem entsprechenden "Empfang" gedroht.

Zahl der Toten wird vermutlich noch steigen

Ein Vertreter des Innenministeriums in Islamabad sprach vorsichtig von einer nur sehr vorläufigen Totenzahl. Mindestens 400 zum Teil schwer Verletzte wurden in Krankenhäusern der Millionenstadt behandelt. Ein Arzt am großen Jinnah-Krankenhaus sagte, die Zahl der Toten werde steigen. Der AFP-Fotograf am Anschlagsort berichtete von zum Teil "völlig verstümmelten" Leichen. Bhutto stand bei der mehrstündigen Parade in der Hafenstadt Karachi auf einem eigens umgebauten Lastwagen, der mit schusssicheren Scheiben und Störsendern gegen Bombenfernzünder ausgerüstet war. Trotz des hohen Risikos stellte sich die Politikern die meiste Zeit demonstrativ vor das Schutzglas, um ihre Anhänger zu grüßen. Erst kurz vor der Explosion war die 54-Jährige in das Innere des gepanzerten Lastwagens gestiegen, um sich auszuruhen.

"Die Explosion war nur fünf Meter von ihrem Fahrzeug entfernt und so stark, dass sie drei Polizeiautos zerstört hat", sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur AFP. Einem Sprecher des Innenministeriums zufolge wurde erst eine Handgranate in die Menschenmenge geworfen. Sekunden später zündete ein Selbstmordattentäter einen mit Nägeln und Kugeln präparierten Sprengsatz, der wie eine Splitterbombe gewirkt habe.

Bhutto: "Ihr Tod wird nicht umsonst sein"

"Das war ein gegen Benazir Bhutto gerichteter Terrorakt", sagte Innenminister Aftab Sherpao. Ziel des Anschlag sei es gewesen, den Demokratieprozess in Pakistan zu sabotieren. Bhutto und ihre Pakistanische Volkspartei (PPP) verurteilten den Anschlag "auf das Schärfste". Die Getöteten hätten das "äußerste Opfer für die Sache der Demokratie" gegeben, sagte Bhutto vor Journalisten. "Ihr Opfer wird nicht umsonst sein", versprach sie. Auch Präsident Pervez Musharraf verurteilte den Anschlag "auf das Schärfste". Die Verantwortlichen müssten sich auf eine "abschreckende Strafe" gefasst machen.

Auch international löste das Attentat Bestürzung aus. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigt sich "entsetzt" über den "terroristischen Bombenanschlag". Die USA, Russland, China, Japan, Indien sowie die EU und andere Länder verurteilten die Tat einhellig. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, die "Brutalität dieser heimtückischen Tat erfüllt uns mit Entsetzen".

Afghanistans Präsident Hamid Karsai bezeichnete das Attentat als "brutal und feige". Bhutto war nach acht Jahren im Londoner Exil in ihre Heimat zurückgekehrt. Ihre Rückkehr wurde möglich, weil Musharraf gegen sie erhobene Korruptionsvorwürfe für nichtig erklärte. Der schwächelnde Präsident hofft, mit Hilfe Bhuttos und ihrer PPP an der Macht zu bleiben. Bhutto war zwischen 1988 und 1990 sowie zwischen 1993 und 1996 Regierungschefin in Pakistan. (mit AFP)  

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