Pakistan : Bhuttos Hausarrest aufgehoben

Auch der heutige Hausarrest konnte Benazir Bhutto als politische Gegnerin des Militärmachthabers Muasharraf in Pakistan nicht ausschalten. Unter den Augen zahlreicher Beobachter hatte die Oppositionspolitikerin versucht die Sperren um ihr Haus zu durchbrechen. Das Regime verkaufte die Ausgangssperre als Schutz vor Selbstmordanschlägen.

Pakistan PPP
Auch heute verhafteten Sicherheitskräfte zahlreiche Anhänger der Partei PPP von Benazir Bhutto. -Foto: dpa

IslamabadBenazir Bhutto gelang es, die Absperrungen um ihr Haus bei medienwirksam inszenierten Durchbruchsversuchen zu geißeln und erneut die Militärführung zu kritisieren. Daraufhin - und angesichts heftiger internationaler Proteste - wurde der Hausarrest am Abend wieder aufgehoben. Zuvor hatten unter anderem Deutschland und die USA die pakistanischen Machthaber aufgerufen, Bhutto Bewegungsfreiheit zu gewähren.

Bhutto war in Islamabad unter Hausarrest gestellt worden. Mit einem kugelsicheren Fahrzeug durchbrach sie jedoch eine erste Polizeisperre. Eine Weiterfahrt wurde dann von zwei Polizeitransportern und einem gepanzerten Fahrzeug verhindert, Hunderte Polizisten marschierten auf. Daraufhin stieg Bhutto aus und wandte sich mit einem Megaphon an die Menschenmenge und die zahlreich erschienenen internationalen Journalisten. "Mein Kampf ist nicht mit Euch, meine uniformierten Brüder, ich kämpfe für Demokratie", rief sie den Polizisten zu. An die Umstehenden gewandt sagte sie: "Ich muss Euch retten." Schließlich gab Bhutto aber auf und kehrte in ihr Haus zurück.

Am Abend wurde dann nach Angaben eines Mitarbeiters des Innenministeriums der Hausarrest wieder aufgehoben. Dies war zuvor bereits vom stellvertretenden Informationsminister Tareeq Azeem angekündigt worden. "Es war ein vorübergehender Hausarrest, damit sie sich nicht der großen Gefahr eines Selbstmordanschlags aussetzt", versicherte Azeem.

Mitglieder der Bhutto-Partei auf der Flucht

In der Stadt Lahore umstellten die Sicherheitskräfte unterdessen eine Krebsklinik, die der einstige Cricket-Star und heutige Oppositionspolitiker Imran Khan finanziert hatte. Die Polizisten suchten den Politiker, der einen Tag nach der Verhängung des Ausnahmezustands am Samstag untergetaucht war. Verfolgt wurden auch weiterhin die Mitglieder von Bhuttos Partei PPP. Mehrere hundert von ihnen wurden vor dem Haus der früheren Premierministerin in Islamabad festgenommen.

Auch in anderen pakistanischen Städten gingen Sicherheitskräfte teilweise gewaltsam gegen Oppositionelle vor. In Rawalpindi, wo eine Demonstration mit Bhutto stattfinden sollte, wurden nach Polizeiangaben 65 Oppositionelle vorläufig festgenommen. Der Park, in dem die Großkundgebung stattfinden sollte, wurde mit Betonblöcken und Stacheldraht abgesperrt, 6000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz.

Kritik aus den USA und Deutschland

Die Machthaber Pakistans begründeten die Maßnahmen erneut mit der Gefahr von Anschlägen. Bei Bhuttos Rückkehr nach Pakistan vor drei Wochen hatte ein Selbstmordattentäter mehr als 130 Menschen getötet, indem er sich inmitten der Hunderttausenden jubelnden Bhutto-Anhänger in die Luft gesprengt hatte.

Bhuttos Hausarrest stieß international auf Kritik. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA äußerte die Besorgnis der US-Regierung. "Der früheren Premierministerin Bhutto und anderen Parteimitgliedern muss Bewegungsfreiheit gewährt werden." Ein Sprecher des US-Außenministeriums forderte Musharraf auf, ein konkretes Datum für Parlamentswahlen und für seinen Rücktritt als Armeechef zu nennen. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, sagte in Berlin, die Entwicklung in Pakistan werde in Deutschland mit großer Sorge verfolgt. Die Bundesregierung appelliere an die pakistanische Führung, "den Hausarrest für Benazir Bhutto aufzuheben". (mit dpa)

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