Pakistan : Dürfen USA bald bin Ladens Witwen verhören?

Wie konnte Al-Qaida-Führer Osama bin Laden fünf bis sechs Jahre unentdeckt in einer pakistanischen Garnisonsstadt leben? Jetzt sollen dazu auch die Witwen des Terrorchefs befragt werden.

von

Pakistan hat noch nicht entschieden, ob amerikanischen Terrorfahndern direkter Zugang zu den Witwen des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden gewährt wird. "Die USA haben bislang nicht offiziell beantragt, Zugang zu Bin Ladens Witwen zu bekommen", sagte Außen-Staatssekretär Salman Bashir am Dienstag in Islamabad. "Wir werden das Thema erwägen, wenn sie einen formalen Antrag stellen." Die Ermittler erhoffen sich Auskünfte auch über die Unterstützung für den Topterroristen von pakistanischer Seite.

Zwei der Frauen stammten aus Saudi-Arabien, die dritte aus dem Jemen, berichtete der Sender CNN weiter unter Berufung auf US-Quellen. Sie waren während der Erstürmung von Bin Ladens Anwesen vor einer Woche festgenommen worden und befinden sich in pakistanischem Gewahrsam.

Präsident Barack Obama hatte zuvor in seinem ersten Interview seit der Tötung des Topterroristen von einem möglichen "Unterstützungsnetzwerk für bin Laden in Pakistan" gesprochen. „Wir wissen nicht, ob es Leute innerhalb oder außerhalb der Regierung waren. Das müssen wir ermitteln, aber vor allem muss die Regierung Pakistans das ermitteln.“ Sein Sicherheitsberater Tom Donilon trat in vier der fünf wichtigsten politischen Sonntags-Talkshows der USA auf und ließ erkennen, dass das Misstrauen und der Ärger zwischen Amerika und Pakistan anhalten.

Obamas Interview mit dem TV-Sender CBS war am Mittwoch im Weißen Haus aufgezeichnet worden und wurde am Sonntagabend ausgestrahlt. Der Präsident nutzte es, um sich als entscheidungsstarker Oberbefehlshaber in Szene zu setzen, der kalkulierte Risiken eingeht. Zuvor hieß es über ihn, er sei risikoscheu. Er habe keinen Beweis gehabt, dass bin Laden in dem Haus lebt, als er den Befehl zum Zugriff gab. Es sei „eine 55-zu-45- Prozent-Situation“ gewesen. „Ich beschloss, dass es den Versuch wert ist.“ Seine größte Sorge sei gewesen, wie „ich die Jungs, die ich reinschicke, auch wieder lebend herauskriege“. Mehrere Mitarbeiter hatten die Chancen, bin Laden zu fassen, mit 60 bis 80 Prozent beziffert und die Aktion „die beste Gelegenheit, die wir seit langem hatten“, genannt.

Die Meinungen in seinem Sicherheitskabinett, ob man das Risiko eingehen solle, waren geteilt, sagte Obama. Mehrere hätten abgeraten. „Was wäre gewesen, wenn sich herausgestellt hätte, dass das Anwesen einem Prinzen aus Dubai gehört?“ Und auf welche unkalkulierbaren Risiken würde das Einsatzteam stoßen, etwa Sprengstofffallen? Experten, die die Einsatzplanung beschrieben, hatten auch über Falltüren, geheime Räume und Fluchttunnel spekuliert. Obama nannte die Meinungsverschiedenheiten „unbezahlbar“ und unterstrich damit erneut, dass er keine Ja-Sager um sich haben wolle, sondern Widerspruch aus seinem Beraterkreis ausdrücklich wünsche. „Das hat die Planungen genauer gemacht. Wir sind alle denkbaren Optionen durchgegangen.“ Obama zeigte keine moralischen Zweifel an der Tötung bin Ladens: „Der Verantwortliche für einen Massenmord hat bekommen, was er verdient.“

Die Tötung bin Ladens hat in den USA eine neue Debatte über harte Verhörmethoden wie das „Waterboarding“ ausgelöst. Manche Republikaner und rechte Kommentatoren behaupten, die Informationen, die die Ermittler auf bin Ladens Spur brachten, seien Verhören mit Waterboarding zu verdanken, also Präsident Bushs Politik der Terrorabwehr. Ihre Kollegen, die der politischen Mitte zuzurechnen sind, widersprechen dieser These. (mit dpa)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

37 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben