Pakistan : Frauen an Wahl gehindert

Im Grenzgebiet zu Afghanistan halten Stammesälteste Frauen davon ab, ihre Stimme abzugeben. Die offiziellen Stellen sind ratlos. "Wir können nichts tun", sagt Distriktbürgermeister Ghulam Ali.

LahoreBei der Parlamentswahl in Pakistan ist es, wie befürchtet, zu Unregelmäßigkeiten gekommen. In Shikarpur in der südlichen Provinz Sindh beschwerten Wähler sich über das Fehlen von rund 350 Stimmzetteln in ihrem Wahllokal, wie die Polizei mitteilt. Daraufhin wurde ein Wahlhelfer festgenommen. In mehreren Vororten von Peshawar nahe der afghanischen Grenze wurde Frauen offiziellen Angaben zufolge die Möglichkeit zur Abstimmung verwehrt. "Ich habe Berichte darüber, dass Stammesälteste in der Gegend entschieden haben, dass die Wahl von Frauen gegen unsere Kultur ist", sagte Distriktbürgermeister Ghulam Ali. "Das ist ihre Tradition. Wir können nichts tun."

In dem muslimischen Land Pakistan stimmen Männer und Frauen in getrennten Wahllokalen ab. Von rund 81 Millionen Wahlberechtigten sind etwa 36 Millionen Frauen. Am Sonntag hatte der Chef der Wahlkommission, Qazi Farooq, in einer im Fernsehen übertragenen Rede davor gewarnt, Frauen an der Abstimmung zu hindern, und ein striktes Vorgehen dagegen angekündigt. In der Grenzregion zu Pakistan haben weitgehend Stammesälteste das Sagen.

Der Chef der Partei PML-N, Nawaz Sharif, warf der PML-Q, die Staatschef Pervez Musharraf stützt, erneut Wahlbetrug vor. Die Partei "nimmt Manipulationen vor, und sie greifen unsere Kandidaten und Anhänger an", sagte der frühere Regierungschef bei seiner Stimmabgabe in Lahore. Gleichzeitig zeigte er sich zuversichtlich, dass seine Partei bei der Wahl erfolgreich abschneide. Sharif durfte selbst nicht kandidieren, führte aber den Wahlkampf der PML-N Partei an. Umfragen zufolge käme die PML-N bei freien und fairen Wahlen auf den zweiten Platz hinter der Pakistanischen Volkspartei (PPP) der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto.

Oppositionspolitiker ermordet

Ein Oppositionskandidat und vier weitere Menschen sind am Vorabend der Parlamentswahl in Pakistan erschossen worden. Wie die Polizei mitteilte, eröffneten Unbekannte am Sonntag in der ostpakistanischen Stadt Lahore das Feuer auf das Auto des Politikers Asif Ashraf. Auch drei Begleiter kamen ums Leben. Nach Krankenhausangaben erlag ein bei dem Angriff verwundeter Passant später seinen Verletzungen.

Ashraf, der für die Partei PML-N des früheren Regierungschefs Nawaz Sharif kandidierte, war den Angaben zufolge auf Besuch in seinem Wahlkreis. Die Wahlkommission verschob nach dem Vorfall die Stimmabgabe in dem betroffenen Bezirk. Sharif und der Spitzenkandidat der Pakistanischen Volkspartei, Asif Ali Zardari, verurteilten die Tat und verlangten die Festnahme der Täter.

Bombenexplosion in Stammesgebiet

In der Nähe eines anderen Wahllokals in Inayat Kili in den pakistanischen Stammesgebieten detonierte ein Sprengsatz. Nach Angaben des Fernsehsenders Dawn News wurde dabei niemand verletzt. Rund 81 Millionen Wahlberechtigte sind aufgefordert, bis 17 Uhr (Ortszeit/13 Uhr MEZ) ihre Stimme abzugeben. Als Favorit gilt die Pakistanische Volkspartei (PPP) der vor knapp acht Wochen ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto. Umfragen zufolge muss die regierende Pakistanische Muslim-Liga (Quaid), die den umstrittenen Präsidenten Pervez Musharraf unterstützt, mit schweren Stimmeneinbußen rechnen.

Trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen verlief der Urnengang zunächst schleppend. "Das ist vor allem eine Folge von Bombendrohungen", sagte eine für die Wahlen zuständige Beamtin in der Garnisonsstadt Rawalpindi. Die EU hat Wahlbeobachter entsandt. Mehr als 80.000 Soldaten unterstützen die Polizei bei der Sicherung der Wahl. (ae/AFP/dpa)

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