Pakistan : General im Unruhestand

Seit Monaten weilt Pervez Musharraf im Exil in London und traut sich nicht heim, weil ihm dort ein Prozess droht. Trotzdem arbeitet Pakistans früherer Militärherrscher offenbar eifrig an seinem Comeback – diesmal aber nicht mit Waffengewalt, sondern als gewählter Regierungschef.

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Pakistans Ex-Präsident Pervez Musharraf Foto:
Pakistans Ex-Präsident Pervez Musharraf

Neu-Delhi - Er werde bald seine eigene Partei gründen und bei den Wahlen 2013 für das Parlament kandidieren, kündigte der 67-Jährige nun in einem Interview mit der BBC an.

„Mit zweihundertprozentiger Sicherheit werde ich an den nächsten Wahlen teilnehmen“, sagte Musharraf. Auch die drohende Anklage wegen Hochverrats werde ihn nicht abhalten, nach Pakistan zurückzukehren. Er räumte ein, dass seine Popularität geschwunden ist. Aber er habe immer noch eine Wählerbasis. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich wieder Präsident werde. Aber ich glaube, dass ich eine gute Chance habe.“

Musharrafs Ambitionen mögen zunächst lächerlich erscheinen – hatte doch die halbe Nation erleichtert aufgeatmet, als der General im August des Jahres 2008 nach bald neun Jahren Herrschaft quasi aus dem Amt gejagt wurde. Für Musharraf spricht aber, dass die zivile Regierung unter Führung der Bhutto-Partei PPP bisher enttäuscht hat. Nur rund zwei Jahre nach Ende von Musharrafs Regime wächst der Verdruss über die Politiker, die vielen als korrupt und unfähig gelten, gefährlich an. Vor allem Präsident Asif Ali Zardari hat sich auch die letzten Sympathien verscherzt, als er in den Anfangstagen der Flutkatastrophe lieber unbeeindruckt weiter auf Staatsbesuch durch Europa tourte als bei seinem Volk zu sein.

Dagegen punktet das Militär bei den Menschen wie seit Jahren nicht mehr. Die Armee hat zehntausende Soldaten abgestellt, um den Flutopfern zu helfen. Sie retten Gestrandete aus den Wassermassen, verteilen Hilfsgüter und leiten Flüchtlingscamps. Der Unmut über das Versagen der Politik ist inzwischen derart groß, dass sogar in der bürgerlichen Mittelschicht Rufe nach einer Rückkehr der Armee an die Macht laut werden. Christine Möllhoff

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