Pakistan : Heftige Gefechte um Rote Moschee

Die Belagerung der Roten Moschee in Islamabad dauert an. Die verschanzten islamistischen Militanten lehnen eine Kapitulation ab. Sicherheitskräfte stürmten unterdessen ein nahe gelegenes Seminargebäude.

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Islamabad: Truppentransporter und Soldaten rücken näher an die belagerte Moschee. -Foto: AFP

IslamabadIn der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hat es am frühen Morgen erneut Kämpfe an der belagerten Rote Moschee gegeben. Unter dem heftigen Monsun-Regen waren Schüsse und Explosionen zu hören. Kurz vor Tagesanbruch rückten dutzende weitere Truppentransporter zu dem Gelände vor. Ein Sturm auf das Gebäude stand aber offenbar nicht unmittelbar bevor. Auch am Freitagabend war an der Moschee gekämpft worden. In der Nacht stürmten Sicherheitskräfte eine von der Roten Moschee geleitete nahe gelegene Koranschule und nahmen dutzende Studenten fest. Der Anführer der in der Moschee verschanzten Aufständischen zeigte sich unnachgiebig.

Am Freitagabend erschütterten zwei heftige Explosionen das Gotteshaus, zugleich waren Schüsse zu hören. Aus dem Gebäude stieg Rauch auf, gepanzerte Truppentransporter und Soldaten rückten näher an die Moschee. Dann war es für einige Stunden ruhig, bevor wieder Schüsse ertönten und weitere Truppen vorrückten. Militante Koranschüler hätten Granaten und Molotow-Cocktails auf Sicherheitskräfte gefeuert, sagte ein Sicherheitsbeamter. Die Polizisten hätte mit Schüssen reagiert. Unklar war zunächst, ob es Opfer gab.

Dutzende Koranschüler festgenommen

Ein ranghoher Sicherheitsbeamter sagte, die Polizei habe die Koranschule Jamia Faridia gestürmt, dutzende Schüler festgenommen und sie an einen unbekannten Ort gebracht. Die Koranschule befindet sich rund drei Kilometer von der Roten Moschee entfernt. Die Behörden hatten befürchtet, dass die Studenten dort eine zweite Front gegen die Sicherheitskräfte errichten könnten.

Zunächst sollte laut einem Sicherheitsbeamten nicht zum Sturm auf die Rote Moschee angesetzt werden. Es gehe darum, Frauen und Kinder freizubekommen, die als Geiseln festgehalten würden. Den Behörden zufolge hielten sich in der Moschee noch hunderte Koranschüler sowie etwa 60 Extremisten auf. Die Islamisten halten sich seit Dienstag mit ihren Schülern in der Moschee verschanzt. Seitdem kamen bei Kämpfen mit den Sicherheitskräften mindestens 19 Menschen ums Leben. Ein Vertreter der Moschee sagte, am Freitag seien bei den Kämpfen vier weitere Studenten getötet worden. Auch am frühen Samstagmorgen habe es Opfer gegeben.

Besetzer: Märtyrertod, aber keine Aufgabe

Der Anführer der Besetzer zeigte sich bis zum Äußersten entschlossen. "Wir haben entschieden, dass wir den Märtyrertod sterben können, aber nicht aufgeben werden", sagte der stellvertretende Vorsteher der Moschee, Abdul Rashid Ghazi, dem privaten Fernsehsender Geo. Er und seine Mitstreiter wollten sich unter keinen Umständen der Armee beugen. Ghazis Bruder Abdul Aziz, der die Rote Moschee leitete, war am Mittwoch nach einem Fluchtversuch in einem Frauengewand festgenommen worden. Angesichts des massiven Aufgebots der Armee hatte er seine Anhänger in einem Fernsehinterview zur Aufgabe aufgerufen.

Auch sein Bruder erklärte sich am Donnerstag zur Aufgabe bereit unter der Bedingung, dass er und seine kranke Mutter vorerst auf dem Gelände bleiben können. "Ich mache dieses Angebot, um das Leben der Studenten zu retten", sagte er im Sender Geo. Die Regierung forderte seine bedingungslose Kapitulation.

Anschlag auf Präsident Musharraf

Präsident Pervez Musharraf entkam am Freitag einem Anschlag: Nach Angaben von Sicherheitskräften gaben Unbekannte kurz nach dem Start seiner Maschine vom Militärstützpunkt bei Islamabad Schüsse ab, trafen aber nicht. In einem nahegelegenen Haus stellten die Ermittler zwei Luftabwehrwaffen sicher, ein Verdächtiger wurde festgenommen. (mit AFP)

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