Politik : „Pakistan ist der schlimmste logistische Albtraum“

Ruth Ciesinger

Berlin - Je mehr Zeit verstreicht, umso dramatischer werden die Hilferufe. Vor zwei Wochen verwüstete das schwerste Erdbeben seit Jahrzehnten in der Region den Norden Pakistans, besonders getroffen hat es die Provinz Asad-Kaschmir. Der UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland bat am Freitag die Nato in Brüssel um weitere Unterstützung bei Hilfsflügen. Zuvor hatte er den Hilfseinsatz in Pakistan als „schlimmsten logistischen Albtraum überhaupt“ bezeichnet, und erklärt, der „Wettlauf gegen die Zeit“ in Pakistan sei weitaus dramatischer als der Einsatz im Tsunami-Gebiet vor zehn Monaten. Die Zahl der Toten, die im Moment von offizieller Seit mit 52000 angegeben wird, könne sich noch verdoppeln.

Von den 312 Millionen Dollar, auf die sich inzwischen die UN-Forderungen an die internationale Gemeinschaft belaufen, seien 58 Millionen Dollar eingegangen und weitere 33 Millionen zugesagt, sagte eine Sprecherin Egelands. Zum Vergleich: Zehn Tage nach dem UN-Hilfsaufruf für die vom Tsunami betroffenen Länder seien etwa 80 Prozent von mehr als 900 Millionen Dollar durch Zusagen gedeckt gewesen. Ein weiterer Unterschied zur Naturkatastrophe vom vergangenen Dezember ist der Weg zu den Opfern. Anders als bei der Flutkatastrophe haben Helfer zwei Wochen nach dem Beben ein Viertel der betroffenen Dörfer und Täler in Kaschmir noch gar nicht erreicht.

Daher der dringende Aufruf der UN- Hilfsorganisationen, mehr Helikopter zur Verfügung zu stellen. Wie viele Hubschrauber schon im Einsatz sind, lässt sich offenbar nicht genau sagen. Einige pakistanische Quellen sprechen von 60 Maschinen, nach Nato-Angaben sind es etwa 100, 40 davon aus Nato-Mitgliedsstaaten. Dazu zählten zwei deutsche Hubschrauber der Isaf-Truppen aus Afghanistan, die allerdings am Freitag dorthin zurückkehrten. Die Amerikaner wollen in den kommenden Tagen weitere 19 Hubschrauber schicken, die Nato beschloss am Freitag, zusätzlich zur eingerichteten Luftbrücke bis zu tausend Soldaten ins Erdbebengebiet zu entsenden. Das deutsche Verteidigungsministerium kündigte an, im Rahmen des Nato-Einsatzes vier Hubschrauber aus Deutschland zur Verfügung zu stellen, die in acht Tagen in Pakistan einsatzbereit seien.

UN-Generalsekretär Kofi Annan warnt jetzt vor einer „zweiten massiven Todeswelle“, wenn nicht schneller geholfen wird. Vor dem Beginn des Winters in zwei bis drei Wochen würden noch eine halbe Million winterfeste Zelte, zwei Millionen Decken, Schlafsäcke, Sanitäranlagen oder Essen benötigt. In einem Interview mit der BBC beklagte Pakistans Präsident Pervez Musharraf die bisherigen Finanzzusagen der internationalen Gemeinschaft für den Wiederaufbau als „absolut unzureichend“.

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