Pakistan : Nawaz Sharif vor Rückkehr als Premierminister

Armeechef Musharraf putschte ihn 1999 aus dem Amt, nun könnte Nawaz Sharif zum dritten Mal Premierminister in Pakistan werden. Seine Muslim-Liga (PML-N) liegt nach Prognosen uneinholbar weit vorne.

Nawaz Sharif könnte zum dritten Mal Premier von Pakistan werden.
Nawaz Sharif könnte zum dritten Mal Premier von Pakistan werden.Foto: AFP

Knapp 14 Jahre nach seinem Sturz durch einen Militärputsch in Pakistan steht Ex-Premierminister Nawaz Sharif vor der Rückkehr in das Amt des Regierungschefs. Bei der historischen Parlamentswahl in der südasiatischen Atommacht gelang seiner Muslim-Liga (PML-N) nach Prognosen von Fernsehsendern und vorläufigen Ergebnissen vom Sonntagabend ein Erdrutschsieg.

Weit hinter der PML-N lag an zweiter Stelle die Tehreek-e-Insaf (Bewegung für Gerechtigkeit/PTI) von Kricket-Legende Imran Khan. Die regierende Volkspartei PPP musste eine vernichtende Niederlage hinnehmen. Sharif erklärte sich noch während der Auszählung der Stimmen zum Sieger. Khan räumte die Niederlage seiner Partei ein. Eine offizielle Stellungnahme der PPP gab es zunächst nicht.

Der Staatssender PTV rechnete der PML-N 127 von 272 Wahlkreisen zu, in denen die konservative Partei entweder vorne lag oder gewonnen hatte. Die PTI kommt demnach auf 34 Sitze, die PPP auf 31. Sollte die PML-N die absolute Mehrheit von 137 Sitzen verfehlen, könnte sie darauf hoffen, dass sich unabhängige Kandidaten ihr anschließen. Sonst ist sie auf Koalitionspartner angewiesen.

Unabhängige Kandidaten lagen am Sonntagabend nach PTV-Angaben in 29 Wahlkreisen vorne oder hatten diese bereits gewonnen. Die PTI hat vor der Wahl angekündigt, nicht für eine Koalition mit etablierten Parteien zur Verfügung zu stehen.

Die Ergebnisse der Wahl vom Samstag sind vorläufig und nicht offiziell. Der Sender Geo News veröffentlichte ähnliche Zahlen wie PTV. Auch alle anderen Medien sahen die PML-N mit weitem Abstand vorne. Das amtliche Endergebnis und einen offiziellen Wahlsieger verkündet die Wahlkommission, die dafür maximal 14 Tage Zeit hat. Die Kommission verkündete bis zum Sonntagabend Ergebnisse aus 32 Wahlkreisen, von denen die PML-N 18 gewann.

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Zahlreiche Wähler machten die PPP für die Energieknappheit, die Wirtschaftskrise und die schlechte Sicherheitslage verantwortlich. Es ist das erste Mal seit der Unabhängigkeit 1947, dass eine zivile Regierung die Macht an demokratisch gewählte Nachfolger übergibt. Etwa die Hälfte der Zeit war Pakistan vom Militär beherrscht. Sharif war im Oktober 1999 bei einem unblutigen Putsch vom damaligen Armeechef Pervez Musharraf gestürzt worden.

Sharif, der in den 90er Jahren zweimal Premierminister war, sagte vor Anhängern in seiner Heimatstadt Lahore: „Gott hat uns mit diesem Sieg gesegnet. Jetzt betet, dass Gott uns mit einer (absoluten) Mehrheit segnet.“ Sharif bot den anderen Parteien Zusammenarbeit an, um die drängenden Probleme des Landes zu lösen. „Ich werde an jeden appellieren, sich nicht zu meinem Wohl, sondern zum Wohl von 180 Millionen Pakistanern mit mir an den Tisch zu setzen.“ PTI-Vizepräsident Asad Umar gratulierte Sharif.

PTI-Chef Khan meldete sich mit einer Videobotschaft aus einem Krankenhaus in Lahore zu Wort, wo er seit einem Sturz von einer Hebebühne bei einer Wahlkampfveranstaltung liegt. „Es gibt Siege und Niederlagen“, sagte er. „Aber der Schmerz dieser Niederlage war vollständig weg, als ich den Enthusiasmus der Jugend sah.“ Zahlreiche junge Pakistaner, bei denen Khan besonders beliebt ist, hatten bei der Wahl ihre Stimme abgegeben.

Sharif und Khan gewannen Sitze. PPP-Premierminister Raja Pervez Ashraf wird dem Parlament dagegen künftig nicht mehr angehören. Die islamistischen Parteien gehören zu den Wahlverlierern. Sie blieben auf nationaler Ebene bedeutungslos.

Am Wahltag wurden mindestens 29 Menschen bei Anschlägen und Angriffen getötet, mehr als 90 wurden verletzt. Über 620 000 Sicherheitskräfte waren zum Schutz der Abstimmung eingesetzt.

Trotz Terrordrohungen der Taliban lag die Wahlbeteiligung am Samstag nach Angaben der Wahlkommission bei knapp 60 Prozent, was nach Medienberichten der beste Wert seit der ersten Parlamentswahl in Pakistan im Jahr 1970 war. Nach Angaben der Wahlkommission verlief die Abstimmung „frei und fair“. (dpa)

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