Pakistan : Offensive gegen Koranschule

Drei Monate nach dem Sturm auf die Rote Moschee in Islamabad haben pakistanische Sicherheitskräfte im Grenzgebiet zu Afghanistan eine neue Offensive gegen einen radikalen Geistlichen und dessen Privatarmee begonnen.

IslamabadDer Nachrichtensender Dawn meldete, die Anhänger von Maulana Fazalullah hätten vier Polizisten entführt und getötet. Bei den Gefechten im entlegenen Swat-Tal seien außerdem zwei Zivilisten getötet worden, darunter ein Kind. Ein Sprecher der Aufständischen sagte, drei Extremisten seien ums Leben gekommen. "Beide Seiten setzen schwere Waffen ein", sagte der örtliche Polizeioffizier Nisar Ahmed.

Die Kämpfe konzentrierten sich auf die Koranschule von Fazalullah im Ort Imam Dheri, sagte Ahmed. "Hunderte Polizisten und Truppen der paramilitärischen Grenzpolizei haben Maulana Fazalullahs Koranschule im Swat-Tal umzingelt." Bei einem Selbstmordanschlag im Distrikt Swat waren am Donnerstag 19 Soldaten und sechs Zivilisten getötet worden. Die Regierung hatte am Mittwoch in Swat 2500 Soldaten gegen den radikalen Geistlichen in Stellung gebracht.

5000 bewaffnete Anhänger?

Fazalullah möchte in Swat eine talibanähnliche Herrschaft und die Scharia - Islamisches Recht - einführen und soll mehr als 5000 bewaffnete Anhänger haben. Sie werden verdächtigt, für zahlreiche Anschläge auf Sicherheitskräfte verantwortlich zu sein. Fazalullah sagte am Mittwoch, wenn die Regierung eine Operation gegen seine Männer starte, würden zahlreiche Soldaten getötet. Medienberichten zufolge will Fazalullah seinen eigenen Gouverneur in der Region einsetzen. Der 32-Jährige Geistliche führt die verbotene Gruppe Tehrik-i-Nifaz-e-Shariat-e-Mohammadi (Bewegung für die Durchsetzung islamischen Rechts) an.

Bei Gefechten in Afghanistan wurden nach offiziellen und Militärangaben mindestens 24 Taliban-Kämpfer und zwei Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf getötet. Der Gouverneur des Distrikts Deh Chopan in der südafghanischen Provinz Sabul, Haji Fazil Bari, sagte, nach einem Luftangriff der US-geführten Koalitionstruppen seien die Leichen von 18 Aufständischen gefunden worden. Unter den Toten seien auch ausländische Kämpfer. Im Nachbardistrikt Arghandab seien sechs Rebellen im Gefecht mit afghanischen Sicherheitskräften gestorben.

Die Nato-geführte Isaf teilte mit, in der ostafghanischen Provinz Kunar sei eine Patrouille mit afghanischen und Isaf-Soldaten angegriffen worden. Zwei Soldaten der Schutztruppe seien getötet und drei weitere verletzt worden. Die Leiche eines Aufständischen sei gefunden worden. Die Isaf machte wie üblich keine Angaben zur Nationalität ihrer getöteten und verletzten Soldaten. Die meisten Soldaten in der Region sind Amerikaner. (mit dpa)

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