Pakistan : Schon früher Terror-Verdacht gegen festgesetzten Pfälzer

Gegen einen 45-jähriger Pfälzer, der in Pakistan im Gefängnis sitzt, ist schon früher wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt worden. Die deutsche Botschaft bemüht sich unterdessen um konsularischen Zugang zu dem Mann.

MainzGegen den in Pakistan festgenommenen Südpfälzer hat die Bundesanwaltschaft bereits vor Jahren wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Im September 2003 sei das Verfahren jedoch eingestellt worden, teilte das rheinland-pfälzische Innenministerium mit. In einem weiteren Strafverfahren wegen Bedrohung eines Polizisten sei der Mann aus Germersheim im selben Monat aber zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt worden.

In Pakistan bemühte sich unterdessen die deutsche Botschaft nach Angaben des Auswärtigen Amtes um Zugang zu dem 45-Jährigen. Zwei ebenfalls wegen Terrorverdachts festgenommene Männer aus Deutschland waren zuvor von einem Konsularbeamten der deutschen Botschaft in Pakistan im Gefängnis besucht worden. Die pakistanischen Behörden seien damit der Bitte nach konsularischem Zugang nachgekommen, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes mit. Bei den Männern handelt es sich um einen 29-Jährigen mit deutscher Staatsangehörigkeit und einen 23-jährigen staatenlosen Mann mit Niederlassungserlaubnis in Deutschland. Beide wurden am 10. Juni festgenommen. Details zu dem Besuch wollte der AA-Sprecher nicht nennen.

Ehefrau bestreitet Terrorvorwürfe

Der Deutsche pakistanischer Abstammung aus der Südpfalz, den Verfassungsschutz und Polizei seit 2001 als so genannten Gefährder eingestuft und überwacht hatten, war am 18. Juni in Pakistan vom dortigen Geheimdienst festgenommen worden. Dieser soll den Mann verdächtigen, mit dem Terrornetz Al Qaida in Verbindung gestanden zu haben und kürzlich zum Selbstmordattentäter ausgebildet worden zu sein. Die Ehefrau des Mannes bestreitet laut Medienberichten die Terrorvorwürfe.

Die Festnahme war laut Mainzer Innenministerium nicht von der rheinland-pfälzischen Polizei veranlasst worden. Vielmehr habe sie "in der Verantwortung der pakistanischen Behörden" gelegen. Inwieweit deren Vorwürfe "tragen, ist der rheinland-pfälzischen Polizei nicht bekannt", teilte das Ministerium mit.

Zugang zum Institut für Transurane in Karlsruhe

Der 45-Jährige wohne seit 1990 in Germersheim, sei mit einer Deutschen verheiratet und habe vier Kinder. Bis 2002 sei er technischer Zeichner bei einer Firma gewesen, über die er Medienberichten zufolge auch Zutritt zum Institut für Transurane im Umfeld der Karlsruher Kernforschungsanlage hatte. Bis 2006 war der Beschuldigte laut Innenministerium Vorsitzender des Islamisch-Arabischen Vereins in Karlsruhe.

Seit 2005 sei der Mann Hartz-IV-Empfänger. Nach eigenen Angaben "betätigt er sich als Händler von Schmuck und Edelsteinen im von seiner Frau angemeldeten Gewerbe", ergänzte das Ministerium in Mainz. (mit dpa)

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