Pakistan : Selbstmordanschlag aus Rache für Moschee-Erstürmung?

Bei einem Selbstmordanschlag in Pakistan sind mindestens 24 Soldaten getötet worden. Das Attentat ist vermutlich eine Racheaktion nach der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad.

IslamabadDrei Tage nach der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad sind bei einem Selbstmordanschlag auf einen Militärkonvoi mindestens 24 Soldaten der pakistanischen Armee getötet worden. Der Täter sei im Nordwesten des Landes mit einem mit Sprengstoff beladenen Wagen in die Fahrzeugkolonne gefahren, teilte ein Militärsprecher in der Hauptstadt Islamabad mit. Mindestens 29 Soldaten seien verletzt worden. Zwei Fahrzeuge des Konvois wurden durch die Explosion total zerstört.

Mit dem Truppentransport im Norden des halbautonomen Distrikts Wasiristan sollten die Sicherheitskräfte in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan verstärkt werden. Dort hatten Extremisten nach der Erstürmung der Moschee dazu aufgerufen, Rache an den Sicherheitskräften zu nehmen. In den vergangenen Tagen war es in der schwer zugänglichen Region wiederholt zu Angriffen und Anschlägen gekommen.

Moschee-Erstürmung: Auch Frauen und Kinder unter den Toten

Entgegen der bisherigen Darstellung sind bei der Erstürmung der Roten Moschee mindestens 15 Frauen und Kinder getötet worden. Bis zu 60 der bei der Militäraktion Getöteten seien militante Islamisten gewesen, der Rest Frauen und Kinder, berichtete die Zeitung "Dawn" unter Berufung auf Innenstaatssekretär Kamal Shah. Die Gesamtzahl der Toten beträgt nach Regierungsangaben 102. Darunter seien elf Soldaten. Zunächst hatte es offiziell geheißen, es seien ausschließlich Militante getötet worden. Augenzeugen hatten nach der Aktion von mehreren hundert Toten berichtet.

Kritiker hatten der Regierung deswegen vorgeworfen, sie verschleiere die wahre Zahl der Opfer, um keine Empörung in der Öffentlichkeit auszulösen. Die Regierung hatte vor der Erstürmung des Gebäudekomplexes noch mitgeteilt, in der Gewalt der verschanzten Islamisten seien zahlreiche Frauen und Kinder. Unterdessen wurden bei den Behörden zahlreiche Koran-Schüler als vermisst gemeldet. (mit dpa)

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