Pakistan : Tote bei Anschlag nahe der Roten Moschee

Bei einem mutmaßlichen Selbstmordattentat in der Nähe der Roten Moschee sind mindestens elf Menschen getötet worden. Zur Wiedereröffnung des Gebäudes in Islamabad war es zu Ausschreitungen gekommen. Fundamentalisten besetzten das Gebäude und jagten den Imam davon.

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In der Roten Moschee riefen Gläubige zum Heiligen Krieg auf. -Foto: AFP

Bei einem mutmaßlichen Selbstmordanschlag in der Nähe der Roten Moschee in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sind mindestens elf Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Rettungskräfte und Augenzeugen berichteten, zu dem Anschlag sei es auf einem belebten Markt gekommen. Leichen und Körperteile liegen unter Trümmern. Unter den Toten sollen vier Polizisten sein. Ein Augenzeuge sagte, ein Mann sei auf die Beamten zugegangen, die dort aßen. Dann sei die Detonation erfolgt.

Islamische Fundamentalisten hatten zuvor die gerade wieder eröffnete Rote Moschee besetzt und den neuen Imam davongejagt. Hunderte Koranschüler beteiligten sich an den Ausschreitungen. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Radikalen vor. Einige von ihnen begannen damit, die von der Regierung pfirsichfarben getünchten Wände wieder rot zu streichen. In der Roten Moschee und angrenzenden Gebäuden auf dem Gelände hatten sich Anfang Juli tagelang Radikalislamisten verschanzt gehalten, bis Sicherheitskräfte den Komplex in der Nacht zum 10. Juli erstürmten. Dabei wurden nach offiziellen Angaben mehr als 80 Menschen getötet.

Die nach der Erstürmung vor zweieinhalb Wochen beschädigte Moschee wurde am Morgen zum traditionellen Freitagsgebet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wiedereröffnet. Die Regierung hatte den muslimischen Vorbeter (Imam) Mohammed Ashfaq eingesetzt, um die fundamentalistische Ausrichtung der Moschee zu überwinden. "Man sagte mir, alles würde friedlich sein. Ich hatte von Anfang an kein Interesse an der Aufgabe und jetzt werde ich es bestimmt nicht mehr machen", sagte der Imam.

Koranschüler verhöhnen Musharraf

Die Koranschüler hinderten den Imam daran, das Gebet abzuhalten und benutzten sein Mikrofon, um Parolen gegen die Regierung zu skandieren. Die Demonstranten forderten auch die Freilassung des früheren radikalen Moschee-Vorstehers Maulana Abdul Aziz, der bei einem Fluchtversuch aus der belagerten Moschee von der Polizei gefasst worden war. Sie verhöhnten Präsident Pervez Musharraf als "Hund" und drohten, das Blut des bei der Erstürmung getöteten Islamisten-Führers Abdul Rashid Ghazi werde eine "Islamische Revolution" hervorrufen. Augenzeugen berichteten, dass die Islamisten Reporter und Polizisten mit Schuhen und Steinen bewarfen.

Seit der Erstürmung der Roten Moschee am 10. Juli wird Pakistan von einer Serie von Anschlägen mit mehr als 200 Toten erschüttert, hinter denen muslimische Extremisten vermutet werden.

Musharraf: Kein US-Militäreinsatz auf pakistanischem Gebiet

Präsident Musharraf wies unterdessen die Idee eines Militäreinsatzes der US-Streitkräfte auf pakistanischem Gebiet entschieden zurück. "Auf pakistanischem Gebiet werden ausschließlich pakistanische Einsatzkräfte operieren und sie sind vollkommen eigenständig in der Lage, das zu tun", erklärte Musharraf. Die USA hatten sich in ihrem Kampf gegen den Terror die Möglichkeit eines Angriffs auf dem Gebiet ihres Verbündeten Pakistan offen gehalten, um versteckte Stützpunkte des internationalen Terror-Netzwerks Al Qaida zu bekämpfen. Die Stammesgebiete an der afghanischen Grenze gelten als Rückzugsgebiet bewaffneter islamischer Fundamentalisten. (mit AFP/dpa)

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