Pakistan : Überwachungskamera filmt Anschlag auf Marriot-Hotel

Eine gewaltige Detonation reißt einen mehr als dreißig Meter breiten Krater in die Straße, rund 50 Menschen werden bei dem Anschlag in Pakistans Hauptstadt Islamabad getötet, hunderte verletzt. Nun sind Bilder einer Überwachungskamera aufgetaucht, die den Beginn des Attentats aufzeichnete.

Überwachung MArriott
Die Überwachungskamera filmte, wie sich die Attentäter dem Hotel näherten. -Foto: dpa

IslamabadDie verheerende Detonation riss einen mehr als sechs Meter tiefen Krater in die Straße vor dem Marriott-Hotel in Islamabad. Durch die Wucht der Explosion stürzten die Fassade des Hotels und die Decke im Speisesaal ein. Mit einer Tonne Sprengstoff beladen, hatte sich das Fahrzeug der Terroristen dem Eingang des Hotels genähert. Auf dem Video der Überwachungskamera, das Innenminister Rehman Malik nun im pakistanischen Fernsehen zeigte, sind verwirrende Szenen zu sehen. Es zeigt, wie der Anschlag begann: Ein Lkw fährt auf das Hotel zu, Sicherheitskräfte sammeln sich um das Fahrzeug, das die Schranke zum Parkplatz zu überfahren versucht. Zunächst explodiert im Führerhaus des dunklen Fahrzeugs eine Mini-Bombe. Wachleute versuchten zunächst diesen kleinen Brand zu löschen. Die dann folgende Szene, die Detonation der gesamten Ladung, ist auf dem Video nicht zu sehen.

Ein Selbstmordattentäter hatte am Samstag seinen mit einer Tonne Sprengstoff beladenen Lieferwagen vor dem massiv gesicherten Luxushotel zur Explosion gebracht und damit ein Inferno ausgelöst. In vier der fünf Stockwerke brach Feuer aus. Hunderte Feuerwehrleute und Sicherheitskräfte waren bis in die Nacht im Einsatz, um das schwer beschädigte Hotel zu evakuieren. Nach offiziellen Angaben kamen 53 Menschen ums Leben. Unter den rund 260 Verletzten waren auch sieben Deutsche. Berichte über ein deutsches Todesopfer konnte das Auswärtige Amt in Berlin bis Sonntagnachmittag nicht bestätigen.

"Das Land vom Krebsgeschwür befreien"

Das Marriott-Hotel liegt in einer Hochsicherheitszone im Stadtzentrum, nur etwa 500 Meter von den Residenzen des Präsidenten und des Regierungschefs entfernt. Die Explosion sorgte für Panik im Haus von Premier Yousaf Raza Gilani, der anlässlich des muslimischen Fastenmonats Ramadan Gäste zum Fastenbrechen eingeladen hatte, berichtete ein Reporter des Fernsehsenders DawnNews. Bereits im Januar vergangenen Jahres waren bei einem Selbstmordanschlag vor einem Seiteneingang des Hotels zwei Menschen getötet und sieben weitere verletzt worden.

Unter den Toten ist nach örtlichen Behördenangaben auch der tschechische Botschafter. Der Diplomat Ivo Zdarek sei tot aus den Trümmern des Gebäudes geborgen worden, der Leichnam sei der Prager Botschaft in Islamabad übergeben worden, hieß es am Sonntag weiter. Ein Botschaftssprecher bestätigte jedoch nur, dass der Diplomat seit dem Vortag vermisst werde.

Der Anschlag auf eines der am besten gesicherten Gebäude der pakistanischen Hauptstadt kam nur knapp zwei Wochen nach dem Amtsantritt des umstrittenen neuen Präsidenten Asif Ali Zardari. Zardari hatte dem Terrorismus nur wenige Stunden zuvor in seiner ersten Rede vor dem Parlament den Kampf angesagt. Regierungen in aller Welt, darunter die Bundesregierung, sowie Vereinte Nationen, Nato und Europäische Union verurteilten den Anschlag scharf. Nach dem Blutbad drohte Zardari - Witwer der im Dezember ermordeten früheren Regierungschefin Benazir Bhutto - am Sonntag: "Terrorismus ist ein Krebsgeschwür in Pakistan. Und wir sind entschlossen, das Land von diesem Krebsgeschwür zu befreien." (mpr/AFP/dpa)

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