Pakistanischer Ex-Premier : Gelandet, verhaftet, abgeschoben

Der frühere pakistanische Premierminister Nawaz Sharif wollte heute nach sieben Jahren im Exil in seine Heimat zurückkehren. Bereits auf dem Flughafen in Islamabad wurde er verhaftet und direkt nach Saudi-Arabien abgeschoben.

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Der frühere pakistanische Premier Nawaz Sharif vor seiner Abreise nach Pakistan. -Foto: AFP

IslamabadUnmittelar nach seiner Rückkehr ist der frühere Premierminister und Oppositionspolitiker Nawaz Sharif von den Behörden abgeschoben worden. Ein Regierungssprecher teilte in Islamabad mit, ein Flugzeug mit Sharif an Bord habe die Hauptstadt bereits in Richtung Dschidda in Saudi-Arabien verlassen.

Sharif war am frühen Morgen aus London kommend in Islamabad gelandet. Bereits auf dem Flughafen kam es zu dramatischen Szenen. Hunderte Polizisten in schwarzen Uniformen umstellten das Flugzeug. Die Behörden verlangten von Sharif die Herausgabe seines Reisepasses, sagte ein Flughafensprecher. Sharif bestand aber darauf, selbst zum Einreiseschalter im Flughafen zu gehen. Kurz darauf wurde er in verhaftet. In seiner Heimatprovinz Punjab werde Sharif wegen Korruption gesucht, teilten die Behörden mit.

Tränengas und Schlagstöcke

Bereits vor der Ankunft Sharifs am Morgen war es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Anhängern des Chefs der oppositionellen Muslim- Liga gekommen. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Knüppel gegen Sharifs Anhänger ein, die versuchten, trotz Polizeiabsperrungen zum Flughafen zu gelangen. In der Garnisonsstadt Rawalpindi wurden mehrere Menschen verletzt, als Demonstranten die Polizei mit Steinen bewarfen.

Premier Musharraf hatte vor Sharifs Ankunft gewarnt, dem Ex-Premier drohe bei seiner Rückkehr die Festnahme. "Ich habe keine Angst vor einer Festnahme. Ich habe die Unterstützung von 160 Millionen Menschen", sagte der Oppositionspolitiker vor seiner Abreise. Im pakistanischen Fernsehsender "Geo television" hatte er angekündigt: "Ich kehre in mein Land zurück, um einer zerbröckelnden Diktatur den letzten Stoß zu versetzen." Sharif-Anhänger, die den Politiker am Flughafen empfangen wollten, wurden von der Polizei gewaltsam daran gehindert. Die Sicherheitskräfte schlugen mit Stöcken auf sie ein und nahmen mehrere von ihnen fest.

Lebenslang wegen Hochverrats

Der Oppositionspolitiker war nach einem Putsch durch den jetzigen Militärmachthaber Pervez Musharraf im Oktober 1999 wegen Unterschlagung, Steuerhinterziehung und Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er sollte nach einer Einigung mit Musharraf bis 2010 im Exil in Saudi-Arabien bleiben. Der Oberste Gerichthof Pakistans entschied aber in der letzten Augustwoche, es sei das Recht des einstigen Premierministers, in seine Heimat zurückzukehren.

Parlamentswahlen im nächsten Jahr

Militärmachthaber Musharraf will sich noch vor der Anfang des Jahres anstehenden Parlamentswahl für fünf weitere Jahre im Amt bestätigen lassen. Die Opposition lehnt dies ab und verlangt, er müsse dafür zunächst sein Amt als Oberbefehlshaber des Militärs abgeben. Der von den USA gestützte Staatschef verhandelte bereits mit der zweiten Oppositionsfigur des Landes, der ebenfalls im Exil lebenden Ex-Premierministerin Benazir Bhutto. (mit AFP)

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