Politik : Pakistans Armee greift Taliban an

Offensive nach zwei Bombenanschlägen mit 45 Opfern – Machtkampf in Islamabad vor der Präsidentenwahl

Islamabad - Bei zwei neuen Anschlägen und heftigen Kämpfen zwischen Islamisten und der pakistanischen Armee sind im abgelegenen Swat-Tal in Nordwest-Pakistan etwa 45 Menschen ums Leben gekommen.

Im Gebiet von Charbag riss ein Selbstmordattentäter vor einer Polizeistation mindestens sieben Menschen mit in den Tod. Der Attentäter hatte nach Angaben der Sicherheitsbehörden sein Auto direkt vor die Polizeiwache in einem geschäftigen Marktbezirk gesteuert, bevor er die Bombe zündete. Die Wucht der Explosion beschädigte mehr als 40 Gebäude. Über 30 Menschen wurden verletzt. Bei einem weiteren Anschlag mutmaßlicher Taliban-Kämpfer zerstörte eine ferngezündete Bombe einen verlassenen Kontrollposten der Polizei im Bezirk Bari Kot. Dabei kamen zwei spielende Kinder ums Leben, drei weitere wurden verletzt.

Bei anschließenden Militäraktionen wurden nach Angaben der Behörden zwischen 30 und 35 der „Schurken“ getötet. Zahlreiche weitere seien verletzt worden. Zudem seien bei der Operation, bei der auch Artillerie und Hubschrauber eingesetzt worden seien, zwei Soldaten getötet und drei weitere verwundet worden.

Erst am Donnerstag waren bei verheerenden Selbstmordanschlägen vor einer Waffenfabrik im Nordwesten des Landes mindestens 78 Menschen ums Leben gekommen. Der Zustand von einigen der über 100 Verletzten war auch am Samstag weiter kritisch.

Für beide Anschläge vom Samstag übernahm der radikale Prediger Maulan Fazlullah die Verantwortung. Sein Sprecher verlangte, die Regierung müsse eine Vereinbarung über die teilweise Einführung islamischen Rechts und über einen Truppenrückzug vom Mai umsetzen. Fazlullahs Anhänger kämpfen seit einem Jahr, um das 150 Kilometer von Islamabad gelegene Swat-Tal unter die Kontrolle der radikalislamischen Taliban zu bringen.

Unterdessen deutete im Machtkampf zwischen den pakistanischen Koalitionsparteien der frühere Premierminister Nawaz Sharif Kompromissbereitschaft an. Er sei unter Bedingungen bereit, den Witwer von Benazir Bhutto, Asif Ali Zardari, als Präsidentschaftskandidaten zu akzeptieren, sagte Sharif am Samstag nach einem Treffen mit Vertretern von Zardaris Pakistanischer Volkspartei (PPP) in Islamabad. Dafür müsse Zardari die von seinem Vorgänger Musharraf eingeführte präsidiale Befugnis, das Parlament aufzulösen, wieder abschaffen. „Ich habe nichts dagegen, dass Zardari bei der Präsidentschaftswahl antritt, wenn er die 17. Verfassungsänderung abschafft“, sagte Sharif. Mit der Änderung hatte sich Musharraf, dessen Rücktrittsankündigung die Koalitionsparteien am Montag erzwungen hatten, das Recht gegeben, die Regierung entlassen und das Parlament auflösen zu können. Bislang hatte Sharif gefordert, der künftige Präsident solle nicht aus den Reihen der PPP kommen. Zardari gab am Samstag offiziell seine Kandidatur für das Präsidentschaftsamt bekannt. dpa/AFP

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