• Pakistans Verteidigungsminister Asif in München: „Deutschland muss seine neue Rolle annehmen“

Pakistans Verteidigungsminister Asif in München : „Deutschland muss seine neue Rolle annehmen“

Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif hat am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz Deutschland aufgefordert, die neue Rolle als Vermittler anzunehmen. Zudem beteuerte er, Pakistan sei bereit, den Terror in die Knie zu zwingen.

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Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif auf der Münchner Sicherheitskonferenz.Foto: imago

Deutschland muss nach Ansicht von Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif seine neue „Rolle als Vermittler annehmen“. Deutschland und die EU könnten viel effektiver sein als sie sind, sagte Asif dem Tagesspiegel am Rande der Sicherheitskonferenz in München. „Deutschland sollte die Führung übernehmen,“ sagte Asif, „so wie Ursula von der Leyen es definiert hat: Führen aus der Mitte.“ Aus Sicht des Ministers der asiatischen Atommacht hat Leyen damit eine neue Art von Führung definiert „nicht Führung im klassischen Sinne, sondern eine kollektive Führung“. Die Menschen hätten „mehr Vertrauen in Deutschland als in jedes andere Land“, begründete er seine Forderung. „Alle anderen haben immer Partei ergriffen.“ Wenn die Münchner Sicherheitskonferenz dafür ein Katalysator sein könne, könnten die Vereinten Nationen davon lernen. Für den Minister aus einen Land mit massiven Terrorproblemen ist der Extremismus das größte Sicherheitsproblem der Welt. Den müsse die Welt auch zusammen bekämpfen müsse. Pakistan sei bereit, den Terrorismus „in die Knie“ zu zwingen.

Sein Land ist massiv daran interessiert, seinen Ruf als Terrorstaat abzuschütten. Am Rande der Konferenz in München warb Asif, der auch Minister für Energie und Wasser ist, intensiv um Wirtschaftskontakte mit deutschen Unternehmen. Das Land sei sicherer, als die meisten Menschen meinten und habe viele sehr junge Arbeitskräfte. Das Durchschnittsalter des Staates mit rund 200 Millionen Einwohnern liegt bei 22 Jahren. Wirtschaft sei „die neue Sicherheit“, betonte die Delegation. Auch Armeen könnten nicht überleben, wenn die Ökonomie nicht laufe. Das habe sich schon beim Zusammenbruch der Sowjetunion gezeigt.

Indirekt wandte sich Asif gegen die russische Strategie in der Ukraine

 Indirekt wandte sich Asif gegen die russische Strategie in der Ukraine. Es müsse „der Wille des ukrainischen Volkes“ gelten, sagte er als Beobachter „aus der Ferne“. Wenn es Differenzen gebe, „müssen sie friedlich in Verhandlungen  gelöst werden“. Weitere Gewalt müsse „unter allen Umständen“ vermieden werden.

Asif, der auch seine deutsche Amtskollegin Leyen traf, unterstrich, dass Pakistan ein Frontstaat im Kampf gegen Terror sei. Sein Land und die Region seien angesichts der neuen Krisen aber aus dem Blick des Rests der Welt gerutscht, beklagte er: „Die Welt vernachlässigt uns. Wir sind wegen Isis, Irak und Ukraine hinter die Kulissen geraten.“  Aber er hofft, dass Pakistan nun mit Deutschland über Unterstützung reden könne. Wie diese Hilfe aussehen könnte, ließ er im Gespräch mit dem Tagesspiegel offen. „Wir kämpfen mit 72 000 Soldaten auf unserem eigenen Boden gegen die Taliban.“ Ihr Krieg habe 1979 begonnen und sei bis heute nicht zu Ende. „Wir kämpfen den Krieg gegen den Terror. Das ist nicht unser eigener Krieg.“ Vor einigen Monaten hat Pakistans Armee, die von den USA kräftig unterstützt wird, auf massiven Druck eine neue Offensive gegen Extremisten im Grenzgebiet zu Afghanistan gestartet.

Vehement unterstrich Asif, dass es keine sicheren Häfen mehr für Taliban in seinem Land gebe. „Das ist vorbei.“ Auch Taliban-Führer Mullah Omar „ist nicht auf unserem Boden“. Er fügte hinzu: „Geben Sie mir eine Adresse und wir werden ihn verfolgen.“ Pakistan kämpfe  „gegen alle Taliban in Pakistan, auch gegen die, die Terror nach Afghanistan tragen wollen“. Islamabad unterstützte entgegen internationaler Kritik auch nicht das Haqqani-Netzwerk, beteuerte Asif. Nach seinen Worten ist die asiatische Nuklearmacht bereit, „jede konstruktive Rolle“ zu übernehmen, wenn für Afghanistan mit den Taliban ein Abkommen verhandelt werden solle. Allerdings habe sein Land vor der jüngsten Offensive versucht, mit den Taliban zu verhandeln. „Wir haben vier, fünf Monate unser Bestes probiert. Wir sind gescheitert. Es scheint fruchtlos zu sein.“ Wenn jemand nicht zu Verhandlungen bereit sei, „kann man ihn nicht zwingen.“ Asif begrüßte, dass China in Afghanistan offenbar eine neue Rolle als Vermittler übernehme.

"Terror hat keine Religion"

Die Isis-Kämpfer sind nach seinen Worten „a-religiös“. Terror habe „keine Religion“. Genau wie Leyen gesagt habe, trügen sie eine pseudo-religiöse Maske. „Wir bekämpfen genau die gleichen Leute in unserem Land.“

Ohne sich direkt zu der Absage des türkischen Außenministers äußern zu wollen, sagte Asif, „Israel ist Ursache des Problems“. Die Probleme der Region könnten gelöst werden, wenn die UN-Resolutionen implementiert würden. Sein Land steht traditionell an der Seite der Palästinenser. Asif lobte die Türkei, mit der Pakistan ebenfalls enge Verbindungen pflegt, als respektiertes Land mit einer gut funktionierenden Demokratie.

Dazu, dass der ehemalige pakistanische Eisenbahnminster dieser Tage erklärt hat, er wolle die Familien der Attentäter von Paris unterstützen, wollte Asif sich nicht äußern. Es sei ein „non-event“, wenn „irgendjemand“ im Land so etwas sage. Da sei die Regierung nicht gefordert. Gleichzeitig wünschte er sich „Respekt für alle biblischen Religionen“ und, dass Karikaturen wie die im Satiremagazin Charlie Hebdo nicht noch einmal erscheinen: „Die Gewalt hätte verhindert werden können.“ Für die teils gewalttätigen Demonstrationen dagegen in Pakistan sieht er ebenfalls keine offizielle Verantwortung: „Die Menschen haben dort ihre Ansicht vertreten.“

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