Politik : Palästina: Drohung und Gegendrohung (Kommentar)

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Der Staat Palästina kommt. Wahrscheinlich nicht schon am 13. September, aber immerhin mit grundsätzlicher Zustimmung Israels. Nur: Wenn es nicht gelingt, dieses Ja zu Palästina auch vertraglich zu fixieren, dann drohen mörderische Zusammenstöße. Dass sich beide Seiten jetzt auf solche Kämpfe vorbereiten, ist deshalb weniger Drohgebärde als eine realistische Einsicht. Doch jede Ankündigung von solchen Vorbereitungen löst entsprechende Reaktionen der Gegenseite aus: eine Eskalation, die vielleicht niemand will und die schliesslich tatsächlich in Gewalt münden könnte. Längst wissen Yasser Arafat und Ehud Barak, was der jeweiligen Gegenseite zugemutet werden kann. Doch noch immer stehen beide unter massivem Druck ihrer eigenen Lager, kompromisslos nur Maximalforderungen vorzubringen. Extremistische Siedler (keineswegs alle) und Arafats islamistische Opposition drohen mit Gewalt, falls ihren Ultimaten nicht entsprochen wird. Wenn sich nun also die Verantwortlichen auf beiden Seiten auf den Kampf vorbereiten, so sollten sie nicht nur die Gegenseite im Auge haben. Sie müssen die gefährlichsten Feinde des Friedens auch auf ihrer eigenen Seite bekämpfen. Sonst droht unkontrollierbare Gewalt.

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