Palästinenser-Gebiete : Blutiger Bruderkrieg

Der Gazastreifen wird von der bislang schlimmsten Welle innerpalästinensischer Gewalt heimgesucht: Insgesamt 14 Menschen starben bei neuen Kämpfen zwischen den rivalisierenden Palästinenser-Gruppen Hamas und Fatah.

Gaza/Ammann/Berlin - Seit Beginn der Eskalation am Sonntag sind 41 Palästinenser ums Leben gekommen. Erstmals seit Ausrufung der Waffenruhe im November wurden durch israelische Luftangriffe im Gazastreifen fünf Hamas-Mitglieder getötet. Wegen anhaltenden Raketenbeschusses der israelischen Grenzstadt Sderot durch militante Palästinenser verließen Hunderte Einwohner die Stadt im Rahmen einer Evakuierungsaktion. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft äußerte sich "zutiefst besorgt" über die Eskalation der Gewalt.

Hamas und Fatah liefern sich einen blutigen Machtkampf, der zwei Monate nach der Bildung einer Einheitsregierung wieder aufgeflammt ist. Mehrere Aufrufe zu einer Waffenruhe führten bisher nicht zur Beruhigung. Die Hamas hatte die Kämpfe am frühen Mittwochmorgen mit einem Angriff auf das Haus eines Sicherheitschefs der gegnerischen Fatah in Gaza fortgesetzt. Allein dabei wurden vier Wachleute getötet. Am Vormittag gab es in mehreren Stadtvierteln Gazas Gefechte, bei denen mehrere Männer getötet wurden. Dabei wurde auch das Büro des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas (Fatah) beschossen, mehrere Menschen erlitten Verletzungen. Fünf festgenommene Hamas-Leute kamen in Gaza in einem Polizeifahrzeug ums Leben, als dieses von Hamas-Milizionären überfallen wurde. Die Angreifer seien davon ausgegangen, dass Fatah-Mitglieder in dem Wagen saßen, teilte die Polizei mit.

21 Israelis durch Raketen verletzt

Militante Palästinenser feuerten am Mittwoch erneut Raketen auf das Grenzgebiet Israels zum Gazastreifen ab. Dabei wurden mindestens 21 Israelis verletzt. Angesichts des andauernden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen soll die israelische Grenzstadt Sderot zum Teil evakuiert werden. Hunderte von Einwohnern begannen, die Stadt zu verlassen. Nach Angaben der Armee sind seit Dienstag mehr als 30 Raketen abgefeuert worden, von denen gut ein Drittel in Sderot einschlug.

Als Reaktion auf die Raketenangriffe attackierte die israelische Luftwaffe am Mittwochnachmittag ein Trainingslager der Hamas in Rafah im südlichen Gazastreifen. Dabei wurden mindestens fünf Mitglieder der Hamas-Polizeimiliz getötet und sieben weitere zum Teil schwer verletzt. Eine Armeesprecherin bestätigte, es handele sich um den ersten israelischen Luftangriff dieser Art seit Vereinbarung einer Waffenruhe für den Gazastreifen im vergangenen November. Erstmals habe man wieder ein Gebäude der Hamas angegriffen.

Weitere israelische Angriffe geplant

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wollte auf einer Dringlichkeitssitzung der Regierung über das weitere Vorgehen beraten. Seine Sprecherin sagte, Israel wolle sich von Hamas nicht in die internen Kämpfe der Palästinenser hereinziehen lassen. Man werde jedoch die israelischen Bürger jederzeit schützen. Es werde aber weitere israelische Angriffe im Gazastreifen geben. Der jordanische König Abdullah II. forderte von Olmert ein Friedenszeichen. Erst dann wolle er nach Israel reisen, sagte der Monarch der jordanischen Tageszeitung "Alarab Alyawm".

In einer Erklärung der deutschen EU-Ratspräsidentschaft rief diese die Verantwortlichen auf allen Seiten zum "sofortigen Gewaltverzicht, zur Wiederherstellung der Waffenruhe und zur Rückkehr zum Dialog" auf. Zugleich verurteilte die Präsidentschaft aufs Schärfste die Angriffe mit Kassam-Rakten auf israelisches Hoheitsgebiet aus dem Gaza-Streifen. (tso/AFP)

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