Palästinenser : Ministerpräsident sucht Minister auf Facebook

Schon seit einiger Zeit hält der palästinensische Ministerpräsident Fayyad über Facebook Kontakt mit der jüngeren Generation. Dass er in dem Sozialen Netzwerk nun nach Ministern sucht, geht den alten Kämpfern aber zu weit.

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Sucht Kontakt zur jungen Generation: Salam Fayyad.
Sucht Kontakt zur jungen Generation: Salam Fayyad.Screenshot: Tso

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad versucht auf einzigartige Weise, die neue Regierung zu bilden: Er fordert die Bevölkerung auf, ihm per Facebook geeignete Ministerkandidaten vorzuschlagen. Kein Gag, wohl aber eine kluge Reaktion auf die Demokratiebemühungen in der arabischen Welt: Fayyad hat so den Dialog mit der jüngeren Palästinenser-Generation vertieft.

Der Finanzfachmann und Korruptionsbekämpfer Fayyad stellt sich schon seit längerem insbesondere der jüngeren Generation per Facebook. In einem regen Internetdialog geht er auf deren Kritik und Vorschläge ein und diskutiert mit dem akademischen Nachwuchs. Per Radio wendet er sich zudem – ähnlich dem amerikanischen Präsidenten – wöchentlich in einer Rede an die breite Bevölkerung. Insbesondere die alte, korrupte Garde der Fatah-Bewegung wirft ihm deshalb Publizitätshascherei vor. Er mische sich in Angelegenheiten ein, „die ihm nicht gehören“, denn „Fayyad hat kein politisches Mandat“. Als Regierungschef habe er sich nur um das Innere zu kümmern. Die Dachorganisation PLO, vertreten durch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, sei allein für die Außenpolitik und damit den Verhandlungsprozess zuständig.

Fayyads Idee der Ministervorschläge per Internet kritisieren die alten Kämpfer als Populismus. Doch scheint es ihm zu gelingen, die Kritik der jungen Intellektuellen in konstruktive Pfade zu lenken und so Unruhen ähnlich denen in der übrigen arabischen Welt zu vermeiden. In den hunderten Facebook-Beiträgen üben seine Dialogpartner offene und oftmals heftige Kritik an der Regierungsarbeit und dem Stillstand der Verhandlungen mit Israel. Wobei die meisten für eine friedliche Konfliktlösung eintreten. Täglich treffen sich zudem diese jungen Studenten und Akademiker in den verschiedenen Internetforen oder auch persönlich und besprechen die Aktualität und machen Pläne.

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