Politik : Palast for sale

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Natürlich ist Berlin nicht mehr, was es einmal war. Heute wacht in Moskau und Washington kein Staatenlenker mehr auf und fragt sofort, was es Neues in Berlin gibt. So war´s im Kalten Krieg. So ist es glücklicherweise nicht mehr. Was aber nicht heißt, dass die Welt sich nicht weiter für Berlin und die Spätfolgen der Teilung interessiert. Der Abbruch des Palastes der Republik beispielsweise interessiert Amerika ganz besonders. Konservative US-Bürger, denen die DDR und ihr Erbe stets ein Dorn im Auge waren, stürmen das Internet. Im elektronischen Postfach fand sich gerade eine Zuschrift von jenseits des Atlantiks, in der die Autorin sich freut, „dass dieses unsägliche Gebäude endlich geschleift wird“. Dann meint die Schreiberin: „Hoffe, dass das alte Schloss wieder errichtet wird, das der Schweinehund Walter Ulbricht gesprengt hat.“ Tja, die Amerikaner, die haben eben noch anti-kommunistischen Eifer. Aber auch Geschäftssinn.

„Werden die Leute sich um Palast-Stücke reißen, wie es bei der Mauer war, und wie schnell kann man sie bei E-Bay ersteigern?“, fragt ein Amerikaner. Ein anderer antwortet: „Werden die Grünen es den Deutschen überhaupt gestatten, Asbest-verseuchte Stücke zu handeln? Kümmert es denn keinen, dass Kinder in Gefahr geraten könnten?“ Ein dritter Schreiber hat eine Antwort parat. „Ich mache einen Laden für Palast-Reste auf. Es wird schon genug PDS-Wähler geben, die das gern als Weihnachtsgabe kaufen. In West-Deutschland müsste man allerdings einen Aufkleber anbringen: Garantiert Asbest-frei!“ Dank des Palast-Abrisses ist Berlin also einmal mehr in aller Munde. Berlin ist, wo Amerika die Geschichte schnell kauft. Sonst ist sie weg.

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