Panama Papers : Welche Israelis Briefkastenfirmen haben

Unter den vielen Namen, die in den Panama Papers erwähnt werden, ist auch Jakob Engel, einer der reichsten Männer Israels.

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Jakob Engel lebt heute in Tel Aviv. Offizielle Fotos gibt es von ihm keine.
Jakob Engel lebt heute in Tel Aviv. Offizielle Fotos gibt es von ihm keine.Foto: Baz Ratner/REUTERS

Auch die Namen zahlreicher Israelis sind in den enthüllten Panama-Dokumenten aufgetaucht. Die Tageszeitung Haaretz berichtet von 600 Firmen und 850 Anteilseignern, darunter Geschäftsmann Jacob Weinroth, Dov Weinglass, der ehemalige Büroleiter von Ariel Sharon, sowie Idan Ofer, Sohn einer der erfolgreichsten israelischen Geschäftsmänner, Sammy Ofer.

Einer der reichsten Männer Israels, der in den Dokumenten erwähnt wird, ist nach Haaretz-Berichten Jakob Engel. Sein Name ist zwar in Israel weniger bekannt – seine Geschäfte im Zusammenhang mit den Briefkastenfirmen sind dafür umso brisanter.

Engel, der laut des israelischen Wirtschaftsblattes Calcalist zunächst über drei Jahrzehnte lang ein Immobilienimperium aufgebaut und dieses dann verkauft hat, ist seit einigen Jahren im Minengeschäft in Afrika tätig. Laut Haaretz laufen diese Geschäfte über seine Firmengruppen Elenilto und Engelinvest.

Mysteriöser Y

Engelinvest soll über Mossack Fonseca fünf Firmen registriert haben. Einige davon sollen von Engel direkt kontrollieren werden, bei manchen tauchen andere Namen auf. So zum Beispiel bei „Irisgianman“, im Jahr 2011 durch Engelinvest in Anguilla registriert. Erklärtes Ziel: das Minengeschäft in Äthiopien. Zu den Anteilseignern gehören unter anderem Iris Levenstein und eine nicht identifizierte Person Y. Levenstein teilte Haaretz mit, dass ein Anteil zwar auf ihren Namen registriert sei, ihr aber nicht gehöre, sondern Y.

Das Minengeschäft in Afrika zählt – ganz unabhängig von den Panama-Papieren – zu den schmutzigsten Geschäftsfeldern und wird mit der Ausbeutung von Arbeitskräften und Bodenschätzen in Verbindung gebracht. Jacob Engel entschied sich laut Calcalist erst kurz vor seinem 60. Geburtstag dazu, mit dem Abbau von Mineralien in afrikanischen Staaten Geld zu verdienen.

Von Kroatien nach Israel

Engels Erfolgsgeschichte begann anders: Wie Calcalist berichtet, wanderte er1951 mit seiner Familie aus Zagreb, Kroatien, nach Israel aus und wuchs in der kleinen Küstenstadt Kiriat Motzkin im Norden auf. Klassische Mittelklasse-Verhältnisse, die Eltern waren beide Angestellte. Während seines Maschinenbau-Studiums lebte er in einem gemieteten Verhau. Später baute er sein Immobilienimperium auf, das er 2007 verkaufte, um dann ins Minengeschäft einzusteigen.

Heute lebt er in Ramat HaSharon, Heimat der Wohlverdienenden nördlich von Tel Aviv. Dennoch soll er kein typischer Neureicher sein und auf Luxus verzichten: kein Privatjet, keine Jacht, keine edlen Zigarren oder Cocktailpartys, so beschreibt es Calcalist.

Noch ist nicht klar, ob Jakob Engel oder einer der anderen israelischen Geschäftsleute, die in den Panama Papers auftauchen, illegal gehandelt haben. Eine Briefkastenfirma zu gründen ist nicht verboten, solange Anteile und Umsätze der israelischen Steuerbehörde gemeldet werden.

In einem Interview mit Globes sagte der Generaldirektor der Steuerbehörde, Moshe Asher, die Panama Papers seien eine exzellente Informationsquelle, man werde sich die Daten ansehen und mit den bereits vorliegenden vergleichen.


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