Politik : Panik im Paradies

Nach Anschlägen Kriegsrecht für Thailands Süden ausgerufen

Frank Jansen

Die Attentäter agierten professionell. Mit einem offenen Kleintransporter, einem Pick-up, fuhren sie am Morgen des 4. Januar in das Militärcamp in der thailändischen Provinz Narathiwat, erschossen vier wachhabende Soldaten und räumten ein Waffenlager aus. Allein 100 amerikanische M-16-Gewehre fielen den Angreifern in die Hände, dazu mehrere Raketen sowie 200 weitere Waffen. Auf der Flucht streuten die Terroristen Nägel, zuvor hatten sie die Route mit gefällten Bäumen präpariert. In den Ästen steckten Sprengfallen. Nahezu gleichzeitig wurden von anderen Gruppen in Narathiwat und den Nachbarprovinzen Yala und Pattani 20 Schulen angezündet. Am Tag darauf explodierten in Pattani mehrere Bomben, zwei Polizisten starben. Die Regierung in Bangkok reagierte rasch: Sie verhängte fast komplett über die drei mehrheitlich von Muslimen bewohnten Provinzen das Kriegsrecht. Und gestand damit indirekt ein: In Thailands Süden wächst das Problem des islamistischen Terrors. Die Region ist nicht allzu weit entfernt von beliebten Urlaubsregionen wie Phuket und Koh Samui. Vor Abstechern in die drei Unruheprovinzen warnt das Auswärtige Amt in Berlin nach der Anschlagswelle noch stärker als zuvor. Seit dem 8. Januar wird in den Sicherheitshinweisen für die drei Südprovinzen ausdrücklich das Kriegsrecht erwähnt. Außerdem rät das Auswärtige Amt, wie schon seit langem, zu „erhöhter Aufmerksamkeit und Vorsicht“ bei Reisen zu „touristischen Zielen mit größeren Menschenansammlungen wie Phuket, Pattaya und Bangkok“. Sicherheitsexperten befürchten, dass Selbstmordattentäter wie auf Bali und Djerba auch in Thailand zuschlagen – vor allem da, wo in den Augen islamistischer Fanatiker westliche Urlauber, hier insbesondere Sextouristen, die Dekadenz der Ungläubigen präsentieren. Deutsche Sicherheitskreise vermuten hinter der Anschlagsserie im Süden eine kleinere, regionale Gruppe. Sie heißt „Gerakan Mudschahedin Islam Pattani“ und ist seit zwei Jahren verstärkt aktiv. Verbindungen zur indonesischen Terrororganisation Jemaah Islamijah, die den Anschlag auf Bali verübte, oder zu Al Qaida sind bislang nicht bekannt. Vermutet werden aber Verbindungen zur Terrorgruppe „Kumpulan Mudschahedin Malaysia“. Sie agiert in mehreren Staaten Südostasiens.

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