Pannen im AKW Krümmel : Sozialministerin weist neue Vorwürfe zurück

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht ist weiter in die Kritik geraten. Nach Tagesspiegel-Informationen soll sie den Namen des Reaktorfahrers gewusst haben. Trauernicht bestreitet das - die Grünen fordern dennoch ihren Rücktritt: "Das Maß ist endgültig voll".

Trauernicht
13.07.2007 im Kieler Landtag: Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht erhebt schwere Vorwürfe gegen...Foto: dpa

KielNach den Pannen im Kernkraftwerk Krümmel muss sich die für die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) gegen neue Vorwürfe zur Wehr setzen. Nach Medienberichten soll sie mehr gewusst haben, als sie bislang zugab. Trauernicht seien bereits vor einer staatsanwaltschaftlichen Durchsuchung am 13. Juli im Atomkraftwerk Namen der Reaktorfahrer bekannt gewesen sein, berichteten der Tagesspiegel und das Magazin "Focus". Dies ließ die Ministerin zurückweisen. Der Landesverband der Grünen forderte dennoch ihren Rücktritt: "Das Maß ist endgültig voll."

Nach Angaben des Tagesspiegel bestätigte der Lübecker Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schultz, dass das Ministerium bereits am 12. Juli die Namen des Schichtleiters und zweier Reaktorfahrer gekannt habe. Eine entsprechende Mitteilung des Sozialministeriums habe die Staatsanwaltschaft gegen 18 Uhr an diesem Tag erreicht. Darin habe das für die Atomaufsicht zuständige Ministerium erklärt, dass Vattenfall die fraglichen Namen zwei Stunden vorher per Fax preisgegeben habe. Außerdem schrieben nach Tagesspiegel-Informationen Mitarbeiter der Atomaufsicht bei einem Besuch des Kraftwerks Krümmel vor der Durchsuchung die Namen selbst aus dem Schichtbuch ab.

Die Namen verschwieg die Atomaufsicht den Staatsanwälten jedoch bis zum 13. Juli, dem Tag der Durchsuchung. Andernfalls hätte die Staatsanwaltschaft auch auf die medienwirksame Durchsuchung des Atomkraftwerkes verzichtet, vermutet Oberstaatsanwalt Schultz: "Wenn wir sie (die Namen) gehabt hätten, wären die Maßnahmen nicht so gelaufen." Vattenfall war nach der Durchsuchung in eine schwere Imagekrise geraten, die schließlich zum Rücktritt des Vorstandschefs Klaus Rauscher und mehrerer Manager führte. (mit dpa/AFP)

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