Politik : Panzergeschäft: Warten auf die Leos aus Berlin

Thomas Seibert

Der Leopard bleibt auf der deutsch-türkischen Tagesordnung: Trotz der Feststellung der Bundesregierung, wegen der vielen Menschenrechtsverletzungen in der Türkei könne Ankara nicht mit einer Genehmigung zum Bau des deutschen Parade-Panzers rechnen, treibt die Regierung von Ministerpräsident Bülent Ecevit das Panzergeschäft voran. Eine Vorentscheidung in dem 15-Milliarden-Mark-Geschäft könnte schon in den kommenden Wochen fallen, und nach Einschätzung von Insidern in Ankara hat der deutsche Panzer in den bisherigen Tests die Nase vorn. Die rot-grüne Koalition in Berlin würde durch eine Entscheidung Ankaras für den Leopard in arge Verlegenheit gebracht.

Die ablehnende Haltung Berlins hat die Türkei bisher nicht von dem Projekt abbringen können. Berichte, nach denen Ankara entschieden haben soll, sich vorerst auf die Modernisierung älterer amerikanischer Panzer durch israelische Firmen zu beschränken und auf den Bau neuer Panzer zu verzichten, wurden am Freitag in der türkischen Hauptstadt und auch beim Leopard-Hersteller Krauss-Maffei-Wegmann dementiert. Diplomaten in Ankara wiesen darauf hin, dass die Modernisierung der alten US-Panzer vom Typ M-60 schon lange geplant sei und nichts mit dem Programm zur Beschaffung neuer Kampfpanzer zu tun habe.

"Das Panzergeschäft läuft genauso weiter wie geplant", sagte ein westlicher Diplomat. Das Modernisierungsprogramm für die älteren Panzer und das Anschaffungsprogramm für die neuen werden demnach parallel verfolgt; zudem sei der Vertrag mit Israel noch nicht einmal unterschrieben. Auch bei Krauss-Maffei hieß es, Ankara nehme die Modernisierung zusätzlich zum Beschaffungsprogramm für die neuen Panzer in Angriff.

Schon seit mehr als einem Jahr testen türkische Experten vier Panzer: den deutschen Leopard, den ukrainischen T-84, den amerikanischen Abrams und den französischen Leclerc. Gesucht wird ein ausländischer Partner, der mit einem türkischen Unternehmen in einem Joint Venture ab 2004 in einem Zehn-Jahres-Programm 1000 Kampfpanzer bauen soll; nach Einschätzung von Diplomaten hat der Leopard ausgezeichnete Chancen, den Zuschlag zu erhalten. Im März will das türkische Rüstungsbeschaffungsamt die Kandidaten bewerten und eine Präferenzliste aufstellen, wenig später wollen Regierung und Armee die endgültige Entscheidung fällen. Die Chancen für den Leopard könnten bis dahin noch steigen, weil in Ankara damit gerechnet wird, dass sich die Zahl der Mitbewerber reduziert.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben