Panzerlied : Martialische Töne bei der Südwest-CDU

Wenig Freude löst ein Liedtext aus, dem die Südwest-CDU auf Seite 86 ihres Gesangsbüchlein "Lied.Gut." Platz eingeräumt hat. Im so genannten Panzerlied "Ob’s stürmt oder schneit" reimt sich ganz unfröhlich Blitz auf Panzergeschütz.

Roland Muschel

Stuttgart - Volkslieder und Schlager „für fröhliche Stunden“ kündigt das neue Gesangsbüchlein „Lied.Gut.“ der baden-württembergischen CDU im Untertitel an. So finden sich in der Liederfibel im Taschenbuchformat Volkslieder wie „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ oder „Muss i denn zum Städtele ’naus“ genauso wieder wie Schlager à la „Fiesta Mexicana“ oder „Anton aus Tirol“. Mit diesen Liedern wünschen die Herausgeber, CDU-Landeschef Günther Oettinger und sein Generalsekretär Thomas Strobl, im Vorwort „frohe Stunden und viel Freude beim Singen in geselliger Runde“.

Wenig Freude löst indes ein Liedtext aus, dem die Südwest-CDU auf Seite 86 ihres Büchleins Platz eingeräumt hat. Im so genannten Panzerlied „Ob’s stürmt oder schneit“ reimt sich ganz unfröhlich Blitz auf Panzergeschütz: „Mit donnerndem Motor, so schnell wie der Blitz, dem Feinde entgegen, im Panzergeschütz. Voraus die Kameraden, im Kampf sind wir allein’, so stoßen wir tief in die feindlichen Reih’n.“

„Das Lied steht in der Tradition des Nationalsozialismus. Es verherrlicht den Krieg. Wenn die CDU bei klarem Verstand ist, kann sie das nicht mit gutem Gewissen anstimmen“, empört sich der Rechtsextremismus-Experte der Landtags-SPD, Stephan Braun. Tatsächlich hat das Lied – dessen kriegerischste dritte Strophe die CDU in ihrem Gesangbuch ausgespart hat – Anhänger in der Neonazi-Szene, wie ein Blick auf entsprechende Internetseiten zeigt. Andererseits war der 1933 oder 1935 entstandene Text noch bis mindestens 1991 Teil des Liederbuchs der Bundeswehr.

Doch Generalsekretär Strobl versucht gar nicht, den Abdruck des Panzerlieds zu verteidigen. „Ich kannte das Lied gar nicht. Ich habe nicht alle Texte durchgeschaut“, sagte Strobl dem Tagesspiegel. Das Lied sei zwar nicht verboten, „aber ich gebe zu: Der Text ist schon martialisch“. Bei der nächsten Neuauflage des Liederbuchs, das seit 20 Jahren immer wieder aktualisiert wird und bislang offenbar immer inklusive des Panzerlieds nachgedruckt wurde, werde dieser Text sicher keinen Platz mehr finden. Die Forderung des SPD-Politikers Braun, die 2000 Exemplare der Liederfibel einzustampfen, lehnt Strobl indes ab. 

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