Politik : Papandreous Wunschzettel für Merkel

Christian Wermke/Gerd Höhler

Berlin/Athen - Eigentlich sollte Giorgos Papandreou über die Finanzkrise reden. Doch dann musste der griechische Ministerpräsident, am Montagabend zu Gast in der Berliner Humboldt-Universität, notgedrungen über die Proteste gegen die Reformen in seinem Land sprechen. „Demokratie ist eine Herausforderung“, sagte Papandreou. Für etwa 20 junge Demonstranten das Signalwort, um aufzuspringen und den Regierungschef als Lügner zu beschimpfen. Sie warfen Flugblätter und entrollten Spruchbänder. „30 Prozent Jugendarbeitslosigkeit – wie in Ägypten. Muss es noch schlimmer kommen?“, stand auf einem geschrieben. „Wenn ich Bürger wäre, würde ich auch demonstrieren“, sagte Papandreou beruhigend. „Ich bin auch nicht zufrieden mit der Situation in Griechenland. Aber nur zu demonstrieren bringt keinen Wandel.“

„Unser Land hat großes Potenzial“, sagte Papandreou. „Niemand sagt, dass der Wandel einfach ist. Aber wir nehmen diesen Schmerz auf uns, um das Land besser zu machen.“ In ein paar Jahren werde Griechenland das transparenteste Land der Europäischen Union sein. Und auch die von der EU gebilligten Finanzhilfen werde es voll zurückzahlen. „Wir haben von unseren Fehlern gelernt. Unser Erfolg wird auch der Erfolg Europas sein.“

Davon will Papandreou am heutigen Dienstag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel überzeugen. Ganz oben auf seinem Wunschzettel steht die Bitte, Merkel möge längeren Laufzeiten für die im Mai 2010 vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU bewilligten Hilfskredite zustimmen. Der IWF plädierte bereits bei den Beratungen über das Hilfspaket für längere Laufzeiten. Das scheiterte damals vor allem am Widerstand Deutschlands. Inzwischen gibt auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu, dass die Laufzeiten zu kurz sind. Im Gespräch sind elf statt fünf Jahre für die vorgesehene Tilgung sowie niedrigere Zinsen. In Athen gibt es aber die Sorge, Merkel werde ihre Zustimmung von weiteren Sparauflagen für Griechenland abhängig machen. Das möchte Papandreou der Kanzlerin ausreden, denn schon am Mittwoch droht ihm ein Generalstreik. Christian Wermke/Gerd Höhler

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