Politik : Papst-Attentäter Agca wieder in türkischer Haft

Thomas Seibert

Istanbul - Nach gut einer Woche in Freiheit ist Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca am Freitag in der Türkei erneut festgenommen worden. Das Oberste Berufungsgericht des Landes erklärte am Freitag die vorzeitige Haftentlassung des 48-Jährigen für unrechtmäßig; die Istanbuler Polizei nahm Agca darauf am Abend im Istanbuler Stadtteil Kartal fest. Er habe bei seiner Festnahme keinen Widerstand geleistet, hieß es. In einem neuen Gerichtsverfahren muss nun entschieden werden, wie viele Jahre der wegen Mordes an einem türkischen Journalisten verurteilte Agca noch hinter Gitter verbringen soll.

Bei seiner Freilassung am 12. Januar hatte Agca davon profitiert, dass ein Gericht in Istanbul seine Haftzeit in Italien auf seine Gefängnisstrafen in der Türkei anrechnete. Agca hatte nach dem Mordanschlag auf Papst Johannes Paul II. in Rom 19 Jahre lang in italienischen Gefängnissen gesessen, bevor er im Jahr 2000 in die Türkei abgeschoben wurde. Nach nur fünfeinhalb Jahren in türkischer Haft kam Agca frei, obwohl er wegen der Ermordung des Journalisten Abdi Ipekci im Jahr 1979 ursprünglich sogar zum Tode verurteilt worden war.

Justizminister Cemil Cicek legte deshalb Widerspruch beim Berufungsgericht in Ankara ein und forderte, Agca müsse mindestens bis 2010 im Gefängnis bleiben. Die Erste Strafkammer des Berufungsgerichts urteilte am Freitag einstimmig, die Haft in Italien dürfe nicht auf die Strafe wegen des Ipekci-Mordes angerechnet werden.

Für die Türkei ist das Hin und Her um Agca mehr als eine peinliche Justizpanne. Der Papst-Attentäter kommt aus dem Dunstkreis rechtsradikaler Gewalttäter, die in der Vergangenheit von nationalistischen Sicherheitsbeamten geduldet oder sogar unterstützt wurden. Seine vorzeitige Haftentlassung hatte Spekulationen ausgelöst, mächtige Gewährsleute im Staatsapparat hätten sich für ihn eingesetzt.

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