Politik : Papst bedauert Missbrauchsfälle durch die Kirche

Sydney - Auf dem Weltjugendtag in Australien hat sich Papst Benedikt XVI. ausdrücklich und öffentlich für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche entschuldigt. Er bedaure „die Leiden zutiefst, die die Opfer durchgestanden haben“, sagte er am Samstag bei einer Messe in Sydney. Die Opfer sollten „Mitgefühl und Fürsorge“ erhalten, die Täter müssten verurteilt werden. Kritikern ging die Entschuldigung nicht weit genug. „Bedauern kann ein Anfang sein, aber wir wollen viel mehr sehen“, sagte der Chef der Opferschutzorganisation Broken Rites, Chris MacIsaac.

„Diese Missetaten, die einen so großen Vertrauensbruch darstellen, verdienen eine unmissverständliche Verurteilung“, sagte Benedikt XVI. Ein Ehepaar, dessen eine Tochter sich nach dem Missbrauch durch einen Priester in Melbourne umgebracht hatte, nannte die Entschuldigung „enttäuschend“. „Es sind nur Worte – das Gleiche hören wir seit 13 Jahren“, sagte Anthony Foster. Kritiker werfen der katholischen Kirche vor, sie wolle eine polizeiliche und gerichtliche Verfolgung der Fälle verhindern. Nach Angaben von Broken Rites wurden in Australien bislang 107 Priester und andere Geistliche wegen sexueller Übergriffe verurteilt. Es war das erste Mal, dass der Papst so ausdrücklich eine Entschuldigung für die Missbrauchsfälle formulierte. Bei seiner USA-Reise im April hatte Benedikt XVI. seine „Scham“ über die Missbrauchsfälle in der dortigen Kirche ausgedrückt. AFP

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