Politik : Papst: Die Menschheit vor dem Abgrund retten

Johannes Paul II. beschwört die Politiker, Nein zum Krieg gegen den Irak zu sagen / Berlin fordert mehr Zeit für die Inspekteure

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Rom/ London/Berlin (dpa/hmt/mth). In seiner bisher schärfsten Stellungnahme zum IrakKonflikt hat Papst Johannes Paul II. am Montag einen möglichen Waffengang gegen den Irak scharf verurteilt. „Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal und bedeutet immer eine Niederlage für die Menschheit“, sagte er. Die Politiker müssten Nein zum Krieg sagen, damit nicht ganze Völker oder gar die gesamte Menschheit in einem Abgrund versinke. Der Papst überlegt, hohe Kurienvertreter zu Friedensmissionen nach Bagdad und Washington zu schicken.

Die Bundesregierung sprach sich dafür aus, den Waffeninspekteuren für ihre Arbeit mehr Zeit einzuräumen, falls diese dies wünschten. „Wir haben immer gesagt, der 27. Januar ist noch kein Enddatum", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. UN-Chefinspekteur Hans Blix will dem UN-Sicherheitsrat am 27. Januar erneut Bericht erstatten. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte, die deutsche Grundsatzposition gegen eine Beteiligung an einem Krieg werde „in allen internationalen Gremien“ durchgehalten. Das würden auch jene erfahren, die in diesen Gremien die Hand zu heben hätten – „und zwar mit aller Deutlichkeit“.

Die Grünen wollen gegen einen Krieg mobil machen. „Wir betrachten uns als Speerspitze der Friedensbewegung“, sagte Parteichef Reinhard Bütikofer. Die UN müssten „Herr des Verfahrens“ bleiben, heißt es in dem Beschluss, dem Außenminister Joschka Fischer zustimmte. Der CDU-Außenpolitiker Friedbert Pflüger forderte mehr Militärhilfe Deutschlands im Fall eines Waffengangs.

Der britische Premierminister Tony Blair sagte, wenn Saddam Hussein sich nicht freiwillig entwaffne, werde dies ohne Zweifel mit Gewalt geschehen. Ungeachtet der wachsenden Kritik seiner eigenen Partei schloss er die Option eines Krieges ohne weiteres UN-Mandat ausdrücklich nicht aus. Er zeigte sich überzeugt, dass man dem Irak schon „in wenigen Wochen“ materielle Verstöße gegen die UN-Resolutionen nachweisen könne. Er sei sicher, dass die UN dann weitere „Aktionen“ unterstützen werde. Am Sonntag hatte die dem linken Parteiflügel zugerechnete Entwicklungshilfeministerin Clare Short gefordert, die Londoner Regierung habe „die Pflicht“, unbeirrt an dem Weg über die Vereinten Nationen festzuhalten. Nur so könne die britische Regierung US-Präsident George W. Bush davon abhalten, „zu früh in den Krieg zu ziehen“.

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