Politik : Papst fordert humanitären Korridor für das Kosovo

BONN/ROM (KNA).Zum Osterfest haben Papst Johannes Paul II.und die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland zum Frieden im Kosovo und zur Hilfe für die Flüchtlinge aufgerufen.Vor über 100 000 Menschen auf dem Petersplatz verurteilte der Papst am Sonntag die Vertreibung und die ethnischen Säuberungen und beklagte zugleich die Raketenangriffe und das "Feuermeer von Bomben", das Städte und Dörfer zerstöre.Zugleich appellierte er an die Regierung in Belgrad, einen humanitären Korridor für die Versorgung der Menschen an den Grenzen des Kosovo zu öffnen.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Karl Lehmann, stellte sich in seiner Predigt im Mainzer Dom hinter das Vorgehen der NATO im Kosovo-Konflikt.Jede Form der Gewaltanwendung sei zerstörerisch und erzeuge meist Gegengewalt.Es gebe aber offenbar Situationen, in denen die Würde und die Rechte der Menschen mit Gegenwehr verteidigt werden müßten.Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, rief dazu auf, die Aufnahme von Flüchtlingen nicht nur als Belastung, sondern als Teil des Einsatzes für den Schutz des Lebens zu betrachten.Die Christen müßten die Spannung aushalten zwischen der Botschaft der Auferstehung Christi und der Todeswirklichkeit ringsherum.

In einem Interview des Deutschlandfunkes äußerte Lehmann sich kritisch zum Umgang mit Asylbewerbern aus dem Kosovo in der Vergangenheit.Bis in die letzten Monate seien Menschen in das Krisengebiet zurückgeschickt worden.In Gesprächen mit den Innenministern habe er immer wieder darauf hingewiesen, wie schwierig eine Rückkehr zu beurteilen sei.

Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky warf der Staatengemeinschaft vor, zu spät auf das Vorgehen der jugoslawischen Regierung im Kosovo reagiert zu haben.In der Tageszeitung "Die Welt" betonte der Kardinal, eine solche gemeinsame Antwort sei nicht früher erfolgt, weil die Vorstellungen vom Frieden in den einzelnen Ländern unterschiedlich und "defizitär" seien.So widerspreche es einem eindeutigen Einsatz für Menschenrechte, wenn ein Land nicht auf Minenproduktion und -anwendung verzichte.Das gleiche gelte für einen Staat, in dem "immer wieder ohne Gnade und Barmherzigkeit die Todesstrafe vollzogen wird".

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