Papst Franziskus geißelt Missbrauch : Sexuelle Gewalt wie eine "schwarze Messe"

Auf dem Rückweg von seiner Nahostreise kündigt Papst Franziskus ein hartes Vorgehen gegen die Verantwortlichen von sexuellen Übergriffen an. Er will sich in Rom auch mit deutschen Opfern treffen.

Papst Franziskus.
Papst Franziskus.Foto: dpa

Papst Franziskus hat auch nach drei anstrengenden Tagen in Nahost noch die Energie gefunden, in einer seiner "fliegenden Pressekonferenzen" über Pädophilie, Vorgänger Benedikt und ehelose Priester zu sprechen. Der Missbrauch Schutzbedürftiger sei "ein Sakrileg" und vergleichbar mit einer "schwarzen Messe", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Montagabend auf dem Rückflug nach Rom vor Journalisten. Niemand könne dabei Privilegien für sich beanspruchen. So werde gegenwärtig auch gegen drei Bischöfe ermittelt und die Strafe für sie abgewogen, erklärte Franziskus den mitreisenden Journalisten. Die Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre hatten die katholische Kirche heftig erschüttert und ihrem Ansehen massiv geschadet. Papst Franziskus hatte die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester kürzlich um Verzeihung gebeten und strenge Strafen für die Täter gefordert.

Anfang Juni will der Papst im vatikanischen Gästehaus, in dem er wohnt, mit acht Missbrauchsopfern eine Messe feiern. Zwei davon sind Deutsche, andere Betroffene kommen aus England und Irland. Anschließend will er sich mit ihnen in privaten Gesprächen über ihre Erfahrungen unterhalten.


Zölibat ein "Geschenk an die Kirche"

Der emeritierte Vorgänger Benedikt XVI. habe mit seinem Rücktritt ein Zeichen für kommende Päpste gesetzt, meinte Franziskus. Wenn ein Papst fühle, dass seine Kräfte schwinden, müsse er sich dieselben Fragen stellen wie Benedikt. "Er hat damit die Tür geöffnet für emeritierte Päpste, die es zuvor nicht gegeben hat." Unverheiratete Priester seien ein Geschenk an die Kirche, das er schätze, und kein Glaubensdogma, verteidigte er den umstrittenen Zölibat. Zwar seien die Türen für eine Diskussion offen, derzeit stünden jedoch für die Kirche andere Themen mehr im Mittelpunkt.

Das Kirchenoberhaupt hatte am Montag in Jerusalem seine Nahostreise beendet. Am Samstag hatte der Papst Jordanien und am Sonntag Bethlehem in den Palästinensergebieten besucht. Am späten Montagabend landete Franziskus wieder in Rom. dpa/AFP

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